Vierzig Jahre im Musikgeschäft sind eine Leistung, die Respekt verdient. Der Luxemburger Jimmy Martin blickt auf eine Karriere zurück, die ihn mit zahlreichen Größen der Rockszene zusammengeführt hat. Namen wie Rick Springfield, Robin Beck oder Clif Magness lesen sich eindrucksvoll und zeigen, dass Martin über viele Jahre Teil einer internationalen Rocklandschaft war, auch wenn er nie ganz im grellen Scheinwerferlicht stand.
Mit *Past To Present* zieht er nun Bilanz. Statt eines klassischen Best-of-Albums präsentiert Martin überarbeitete Versionen seiner wichtigsten Songs, ergänzt um einige Raritäten und aktuelle Neuaufnahmen. Das Ergebnis ist eine musikalische Zeitreise zwischen melodischem Rock, AOR und radiotauglichem Rock-Pop – mit deutlich hörbarer Liebe zu den Achtzigern und frühen Neunzigern.
Die Produktion klingt zeitgemäß und angenehm druckvoll, ohne den Charme der Originale völlig zu glätten. Besonders die Gitarrenarbeit und die eingängigen Refrains wissen zu gefallen. Songs wie diese erinnern daran, warum dieses Genre bis heute eine treue Fangemeinde besitzt: große Melodien, ehrliche Emotionen und kein übertriebener Schnickschnack.
Allerdings zeigt sich auch die Kehrseite einer solchen Retrospektive. Viele Titel bewegen sich sehr nah an den bekannten Genre-Mustern und überraschen nur selten. Wer auf musikalische Experimente oder unerwartete Wendungen hofft, wird hier kaum fündig. *Past To Present* setzt konsequent auf Verlässlichkeit statt Risiko. Das ist keineswegs falsch – manchmal aber eben auch etwas vorhersehbar.
Für langjährige Fans dürfte das liebevoll gestaltete Digipak mit zusätzlichem Download-Material ein echtes Argument sein. Auch die angekündigte Vinyl-Ausgabe unterstreicht, dass sich diese Veröffentlichung in erster Linie an Sammler und treue Wegbegleiter richtet.
Am Ende ist *Past To Present* weniger ein Album, das neue Kapitel aufschlägt, als vielmehr ein würdiger Blick zurück. Jimmy Martin feiert sein musikalisches Lebenswerk ohne großes Pathos, aber mit viel Herzblut. Wer melodischen Rock alter Schule schätzt, wird hier einige schöne Momente finden. Wer hingegen auf der Suche nach frischen Impulsen ist, dürfte das Album zwar respektvoll zur Kenntnis nehmen, aber vermutlich nicht dauerhaft in der Playlist behalten.
Text: Dennis Kresse
Erzählt von uns: