1001 Riffs: Myrath zwischen Wüste und Wahnsinn

Mit „Wilderness of Mirrors“ zementieren Myrath ihren Status als Ausnahmeerscheinung im modernen Metal. Die Band bleibt ihrer Mischung aus orientalischen Einflüssen, Progressive-Anspruch und Power-Metal-Druck treu – klingt dabei aber fokussierter denn je.

Schon die ersten Tracks machen klar: Hier wird nicht gekleckert, sondern inszeniert. Opulente Arrangements treffen auf präzise gesetzte Riffs, dazu kommen Melodien, die sofort greifen, ohne ins Beliebige abzurutschen. Myrath gelingt der Spagat zwischen Eingängigkeit und Komplexität – ein Balanceakt, an dem viele Genre-Kollegen scheitern.

Besonders stark ist die Atmosphäre des Albums. „Wilderness of Mirrors“ funktioniert wie ein Soundtrack zwischen Mythos und Gegenwart. Orientalische Skalen, orchestrale Elemente und metallische Wucht greifen ineinander, ohne dass es nach kalkulierter Exotik klingt. Stattdessen wirkt alles organisch, fast selbstverständlich.

Natürlich bleibt die Band ihrem Hang zum Theatralischen treu. Große Refrains, dramatische Spannungsbögen, ein Hang zur Überhöhung – das ist nicht subtil, aber konsequent. Und genau darin liegt die Stärke: Myrath wissen, was sie tun, und ziehen es durch.

Kritisch ließe sich höchstens anmerken, dass das Album selten aus seiner Komfortzone ausbricht. Die Formel sitzt – vielleicht zu gut. Überraschungen bleiben eher Nuancen als Brüche.

Trotzdem: „Wilderness of Mirrors“ ist ein kraftvolles Statement.

Oder anders: Wenn Metal Kopfkino sein will, dann klingt es genau so.

Text: Dennis Kresse

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