Rantanplan – „Geschwedet“
Manchmal braucht es keine neuen Songs, um eine Band neu zu hören. Auf „Geschwedet“ drehen Rantanplan den Spieß um und veröffentlichen erstmals in ihrer über dreißigjährigen Bandgeschichte ein komplettes Cover-Album. Das Ergebnis ist keine nostalgische Fingerübung – sondern ein erstaunlich lebendiger Ritt durch acht Jahrzehnte Popgeschichte.
Cover – aber bitte mit Biss
Die Hamburger haben schon früh bewiesen, dass sie fremde Songs zu ihrem eigenen Material machen können. Ihr Cover von „New England“ von Billy Bragg auf dem Debüt „Kein Schulterklopfen (Gegen den Trend)“ brachte der Band Mitte der 90er sofort Respekt in der Punk-Szene.
Auch „Unbekanntes Pferd“ von Funny van Dannen wurde mit dem Album „Köpfer“ 1998 so sehr zu Rantanplan, dass viele Fans bis heute glauben, es sei ein eigener Song.
„Geschwedet“ knüpft genau hier an: Die Band spielt die Vorlagen nicht einfach nach, sondern zieht sie durch den eigenen Ska-Punk-Wolf.
DIY-Idee mit Filmreferenz
Der Albumtitel ist Programm. Inspiriert vom Film Be Kind Rewind – in dem Kultfilme mit minimalem Budget liebevoll neu gedreht werden – funktioniert „Geschwedet“ nach demselben Prinzip: bekannte Songs, neu interpretiert, charmant schräg und bewusst DIY.
13 Stücke aus acht Jahrzehnten Musikgeschichte landen so im Rantanplan-Kosmos. Mal nah am Original, mal komplett neu gedacht, immer aber mit dieser Mischung aus Offbeat, Punk-Energie und leicht melancholischem Humor.
Alte Songs, neuer Druck
Der besondere Reiz des Albums liegt darin, wie selbstverständlich sich unterschiedlichste Vorlagen in den typischen Band-Sound einfügen. Ska-Bläser, treibende Gitarren und diese unverkennbare Mischung aus Melodie und Punk-Attitüde lassen die Songs wirken, als hätten sie schon immer zu Rantanplan gehört.
Besonders gut funktioniert das, wenn die Band das Original nicht respektvoll auf Abstand hält, sondern mutig umbaut. Genau dann entsteht dieser Moment, in dem ein Cover plötzlich wie eine zweite Haut wirkt – und nicht wie eine Kopie.
Schnellschuss mit Energie
Bemerkenswert ist auch der zeitliche Abstand: Nur ein halbes Jahr nach dem letzten Release steht mit „Geschwedet“ bereits das nächste Album bereit. Das hätte nach Schnellschuss klingen können – stattdessen wirkt die Platte erstaunlich frisch und spielfreudig.
Natürlich lebt ein Coveralbum immer auch von der Songauswahl. Und nicht jede Interpretation ist zwingend spektakulär. Doch die Energie stimmt, und vor allem der Spaß am Neuinterpretieren ist in jeder Minute hörbar.
Mit „Geschwedet“ erfüllen sich Rantanplan einen lang gehegten Wunsch – und zeigen, wie kreativ ein Cover-Album sein kann, wenn man es nicht als Pflichtübung versteht.
13 Songs aus acht Jahrzehnten werden hier nicht archiviert, sondern neu belebt. Mal respektvoll, mal anarchisch, aber immer mit dem unverwechselbaren Rantanplan-Stempel. Egal ob Element of Crime, Falco oder James Last (ja wirklich)
Erzählt von uns: