Die 90er waren mehr als nur ein Jahrzehnt – sie waren ein Lebensgefühl. Genau dort setzen BONGEN’S mit ihrem neuen Album **„Lass es gut sein“** an, ohne in bloße Nostalgie zu verfallen. Stattdessen verbindet die Band Indie, Rock und Pop mit persönlichen Geschichten, melancholischen Momenten und der Erkenntnis, dass man nicht alles kontrollieren kann. Im Gespräch mit Soundchecker.koeln sprechen BONGEN’S über den Albumtitel, musikalische Veränderungen, den Reiz der Unperfektion und darüber, warum manchmal gerade das Loslassen die mutigste Entscheidung ist.
## **1. Euer neues Album trägt den Titel *Lass es gut sein*. Ist das eher ein resigniertes Loslassen oder die Erkenntnis, dass man nicht alles kontrollieren kann?**
**BONGEN’S:** Beides. Der Titel lebt genau von dieser Mehrdeutigkeit. Man kann etwas gut sein lassen, weil man aufgibt – oder weil man erkennt, dass es Zeit ist loszulassen. Gleichzeitig steckt darin aber auch die Aufforderung, etwas gut werden zu lassen. Uns gefiel, dass der Satz Raum für verschiedene Lesarten lässt. Das Album bewegt sich insgesamt zwischen Resignation und Aufbruch. Es erzählt von Momenten, in denen man merkt, dass man nicht alles beeinflussen kann, aber trotzdem selbst entscheidet, wie man damit umgeht.
## **2. Die 90er ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Was fasziniert euch an diesem Jahrzehnt bis heute – der Sound oder das Lebensgefühl?**
**BONGEN’S:** Wahrscheinlich eher das Lebensgefühl als der Sound. Die 90er waren für uns die Zeit, in der wir musikalisch sozialisiert wurden. Wir haben Mixtapes aufgenommen, neue Bands entdeckt und das Gefühl gehabt, dass alles möglich ist. Uns geht es aber nicht darum, die 90er zu kopieren, sondern um eine Haltung. Da gab es dieses letzte analoge Freiheitsgefühl, aber gleichzeitig auch eine gewisse Orientierungslosigkeit. Diese Mischung aus Aufbruch und Desillusion prägt das Album und findet sich immer wieder in kleinen Verweisen auf diese Zeit.
## **3. *Fight Club*, Charles Bukowski und der Song „96“ wirken wie Erinnerungsstücke einer Generation. Wie autobiografisch ist *Lass es gut sein* tatsächlich?**
**BONGEN’S:** In den Songs steckt viel von uns, aber sie sind keine Tagebucheinträge. Oft entstehen sie aus persönlichen Erlebnissen, Gedanken oder Beobachtungen. Beim Schreiben lösen sie sich dann aber von ihrem Ursprung und entwickeln ein Eigenleben. Wichtig ist, dass die Texte Raum für eigene Interpretationen lassen. Ein guter Song ist offen genug, dass jeder ihn mit seiner eigenen Geschichte füllen kann.
## **4. Mit Micha Schäfers und Lennart Jakobs hat sich eure Besetzung verändert. Was hat das musikalisch mit BONGEN’S gemacht?**
**BONGEN’S:** Obwohl Micha und Lennart am Songwriting für dieses Album noch nicht beteiligt waren, haben sie die Songs auf ihre eigene Art geprägt. Beide bringen einen offeneren musikalischen Ansatz mit und setzen neue Akzente. Gerade live merken wir, wie gut sich diese unterschiedlichen Perspektiven ergänzen.
## **5. Euer Sound verbindet Indie, Rock und Pop, ohne sich eindeutig festlegen zu lassen. Sind Genres für euch heute überhaupt noch wichtig oder entstehen Songs einfach so, wie sie entstehen?**
**BONGEN’S:** Beim Schreiben denken wir nicht in Genres. Wir versuchen nicht, einem Stil gerecht zu werden, sondern dem Song. Wenn er am Ende ehrlich klingt und zu uns passt, ist es egal, ob man ihn eher Indie, Rock oder Pop nennt.
## **6. Eure Texte bewegen sich oft zwischen Melancholie und Aufbruch. Ist das ein Spiegel unserer Zeit oder beschreibt es eher eure persönliche Sicht auf die Welt?**
**BONGEN’S:** Beides lässt sich kaum voneinander trennen. Natürlich prägt das, was um uns herum passiert, auch unsere Musik. Aber die Texte entstehen nie mit dem Anspruch, den Zeitgeist zu kommentieren. Uns interessieren eher die kleinen Beobachtungen, Widersprüche und Fragen des Alltags.
## **7. Gerade deutschsprachiger Indie-Rock lebt oft von Ehrlichkeit statt Perfektion. Wie wichtig ist es euch, Ecken und Kanten bewusst stehen zu lassen?**
**BONGEN’S:** Die Textzeile „Perfektion ist eine Illusion“ aus dem Song „96“ beschreibt es eigentlich ganz gut. Musik lebt nicht davon, dass alles makellos ist, sondern davon, dass sie etwas auslöst. Oft sind es gerade die Ecken und Kanten, die dazu beitragen, dass ein Song berührt und glaubwürdig ist.
## **8. Gab es auf dem Album einen Song, der euch während der Produktion selbst überrascht hat, weil er sich völlig anders entwickelt hat als ursprünglich geplant?**
**BONGEN’S:** Überrascht hat uns weniger ein einzelner Song als die Entwicklung des Albums insgesamt. Erst während der Produktion wurde deutlich, wie sich der Sound verändert hat: weg von der Singer-Songwriter-Lagerfeuerromantik, hin zu einem geradlinigen Bandsound mit klarer Pop-Attitüde. Das war keine bewusste Entscheidung, sondern ein Prozess, der sich Stück für Stück ergeben hat.
## **9. Wenn ihr *Lass es gut sein* jemandem vorspielt, der BONGEN’S noch nie gehört hat – welcher Song wäre der perfekte Einstieg?**
**BONGEN’S:** Wahrscheinlich „Ich sage den Krieg ab“. Nicht ohne Grund ist der Song die erste Single samt Musikvideo geworden. Mit der titelgebenden Zeile „Lass es gut sein“ trägt er den Kern des Albums bereits in sich. Es geht nicht darum, vor der Welt zu kapitulieren, sondern bewusst zu entscheiden, welche Kämpfe man noch führen möchte – und welche nicht. Wer diesen Song hört, bekommt einen ziemlich guten Eindruck davon, wofür das Album steht.
## **10. Zum Abschluss eine persönliche Frage: Wenn ihr eurem 18-jährigen Ich dieses Album vorspielen könntet – was würde es wohl sagen?**
**BONGEN’S:** Von allen fünf BONGEN’S-Alben hätte dieses unserem 18-jährigen Ich vermutlich am besten gefallen. Interessanterweise schließt sich damit der Kreis zum Song „96“, der sich genau an dieses jüngere Ich richtet. Und was würde es sagen? Wahrscheinlich nur einen Satz: „Warum hat das so lange gedauert?“
Vielen Dank für das schöne Gespräch.
Fragen: Dennis Kresse(Soundchecker.Koeln)
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