Chris Caffery gehört zu den Gitarristen, die häufig im Schatten der Bands stehen, mit denen sie groß geworden sind. Als feste Größe bei Savatage und später bei Trans-Siberian Orchestra hat er über Jahrzehnte den Sound zweier Institutionen des amerikanischen Heavy Metals geprägt. Dass er aber auch als Solokünstler einiges zu sagen hat, beweisen die nun neu aufgelegten Alben „Faces“ und „Pins and Needles“
Den Anfang macht „Faces“, ursprünglich 2004 veröffentlicht. Schon der Titel deutet an, worum es geht: verschiedene Seiten einer Persönlichkeit. Caffery verarbeitet hier persönliche Erfahrungen und innere Konflikte, ohne dabei jemals in Selbstmitleid abzudriften. Musikalisch pendelt das Album zwischen druckvollem US-Metal, klassischen Hard-Rock-Einflüssen und überraschend gefühlvollen Momenten. Gerade diese Mischung macht „Faces“ auch mehr als zwanzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung hörenswert. Nicht jeder Song ist ein Volltreffer, doch die Ehrlichkeit des Albums wirkt bis heute authentisch.
Etwas härter zur Sache geht es auf „Pins and Needles“. Hier zeigt Caffery die Seite, die Fans von Savatage besonders schätzen: kernige Gitarrenriffs, düstere Melodien und eine angenehm raue Produktion. Das Album besitzt über weite Strecken eine intensive Atmosphäre und macht deutlich, dass Caffery nicht nur ein technisch versierter Gitarrist, sondern auch ein Gespür für starke Songs besitzt. Zwar merkt man einigen Arrangements ihr Alter an, doch genau dieser klassische Heavy-Metal-Charme dürfte für viele Fans eher ein Pluspunkt sein als ein Nachteil.
Die beiden Re-Releases machen deutlich, dass Cafferys Soloarbeiten nie den Anspruch hatten, den großen kommerziellen Wurf zu landen. Vielmehr wirken sie wie persönliche Momentaufnahmen eines Musikers, der seine Ideen ohne Kompromisse umsetzen wollte. Gerade deshalb altern sie erstaunlich gut.
Ob sich die Neuauflagen für Besitzer der Originale lohnen, hängt sicherlich vom Umfang des Bonusmaterials ab. Wer die Alben bislang allerdings verpasst hat, bekommt jetzt die Gelegenheit, zwei interessante Kapitel aus Chris Cafferys Karriere kennenzulernen.
„Faces“ überzeugt vor allem durch seine emotionale Offenheit, „Pins and Needles“ mit kraftvollem Heavy Metal und jeder Menge Gitarrenarbeit. Beide Alben mögen nicht an die ganz großen Savatage-Klassiker heranreichen, sind aber weit mehr als bloße Randnotizen in Chris Cafferys Diskografie. Für Fans klassischen US-Metals und natürlich für Anhänger von Savatage sind diese Re-Releases eine willkommene Gelegenheit, zwei lange unterschätzte Soloalben neu zu entdecken.
Text: Dennis Kresse
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