Es gab eine Zeit, da war Hardrock noch vergleichsweise gesittet. Dann kamen Metallica, Megadeth, Anthrax und Slayer und machten klar, dass musikalische Höflichkeit völlig überbewertet wird. Die sogenannten Big Four des Thrash Metal drehten Anfang der Achtziger die Verstärker auf Anschlag, beschleunigten die Gitarrenriffs und sorgten dafür, dass konservative Musikfreunde vermutlich kollektiv nach ihren Hörgeräten suchten. Was damals nach Krach, Krawall und kulturellem Weltuntergang klang, wurde zur Revolution, deren Nachwirkungen bis heute zu hören sind.
Daniel Bukszpan widmet sich in „The Big 4: Vier Bands, welche die Musikgeschichte radikal veränderten“ genau diesem Aufbruch. Metallica, Megadeth, Anthrax und Slayer stehen dabei nicht einfach als vier große Namen nebeneinander. Sie verkörpern eine Bewegung, die den Heavy Metal schneller, härter und kompromissloser machte. Während Metallica den Thrash Metal später in die größten Stadien der Welt trugen, standen Megadeth für technische Raffinesse, Anthrax für eine gehörige Portion Crossover-Energie und Slayer für die gnadenlose Abrissbirne. Vier Bands, vier Charaktere – und jede Menge musikalischer Sprengstoff.
Bukszpan gelingt es, diese wilde Epoche mit informativen Texten und einem überzeugenden visuellen Konzept wieder lebendig werden zu lassen. Aussagekräftige Abbildungen vermitteln das Lebensgefühl einer Szene, in der Kutten, lange Haare und handgemachte Rebellion mehr zählten als perfekt durchgestylte Imagekampagnen. Hier ging es nicht darum, möglichst radiotauglich zu klingen oder sich für den nächsten Werbedeal in Position zu bringen. Hier wurde gerifft, geschwitzt und provoziert. Dass dabei auch Eltern, Moralwächter und konservative Musikkritiker Schnappatmung bekamen, gehörte gewissermaßen zum guten Ton.
Besonders reizvoll ist der Blick zurück auf eine Zeit, in der sich eine musikalische Gegenkultur ihre eigenen Regeln schuf. Die Big Four wurden zu Ikonen einer Generation, die sich weder musikalisch noch optisch vorschreiben lassen wollte, wo der Hammer hängt. Natürlich verklärt ein solcher Rückblick gelegentlich die Vergangenheit. Doch die Bedeutung dieser vier Bands lässt sich kaum kleinreden: Sie prägten ein Genre, beeinflussten unzählige Nachfolger und bewiesen, dass extreme Musik keineswegs eine Randerscheinung bleiben muss.
Bukszpans Buch ist deshalb weit mehr als ein nostalgischer Ausflug für alte Kuttenveteranen. Es ist eine unterhaltsame Erinnerung daran, wie aus vier kompromisslosen Bands ein Stück Musikgeschichte wurde. Wer wissen möchte, warum Thrash Metal bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat, bekommt hier ordentlich Lesestoff auf die Ohren. Und die dürfen dabei ruhig klingeln.
Text: Dennis Kresse