Sweet – wenn der Glamrock noch einmal richtig die Zähne zeigt!

Manche Bands werden mit den Jahren leiser. Andere drehen einfach den Verstärker weiter auf. Sweet gehören eindeutig zur zweiten Sorte. Die Glamrock-Institution hat schließlich schon in den Siebzigern bewiesen, dass eingängige Melodien, große Refrains und eine ordentliche Portion Krawall bestens zusammenpassen. Mit „Full Circle“ gelang der Band um Gründungsmitglied Andy Scott 2024 ein bemerkenswertes Comeback, das nicht nur Fans überzeugte, sondern auch in den deutschen Albumcharts bis in die Top 20 kletterte. Eine Platzierung, die Sweet seit „Level Headed“ von 1978 nicht mehr erreicht hatten. Und weil ein gutes Album nicht dafür gemacht ist, im heimischen Plattenregal Staub anzusetzen, folgt jetzt mit „Live 25“ der passende Konzertnachschlag.

Die Rechnung ist dabei erfreulich einfach: neue Songs, große Klassiker und einige Hardrock-Perlen, die zuletzt nicht unbedingt zum festen Inventar der Setlist gehörten. Sweet setzen also nicht ausschließlich auf die sichere Nostalgienummer, sondern zeigen, dass sie auch nach Jahrzehnten noch Lust auf musikalische Bewegung haben. Natürlich dürfen die Hits nicht fehlen. Schließlich sind Songs, die sich seit Generationen im kollektiven Rockgedächtnis festgesetzt haben, keine lästige Pflichtübung, sondern ein Versprechen an das Publikum. Und Sweet wissen ziemlich genau, wie man dieses Versprechen einlöst.

Im Mittelpunkt steht Andy Scott, der als letztes verbliebenes Gründungsmitglied die Geschichte der Band weiterträgt. Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit möglichst originalgetreu hinter Glas zu konservieren. Sweet wollen ihren Sound auf die Bühne bringen, wo er hingehört: laut, direkt und mit jener Mischung aus Glamour und Rock’n’Roll, die schon damals für hochgezogene Augenbrauen und mitwippende Füße sorgte. Das aktuelle Line-up erweist sich dabei als schlagkräftige Formation, die den Songs neues Leben einhaucht und zugleich den unverwechselbaren Charakter der Band bewahrt.

„Live 25“ versteht sich deshalb als mehr als eine bloße Bestandsaufnahme eines Konzertabends. Das Album dokumentiert eine Band, die sich nicht allein auf ihren Lorbeeren ausruht, sondern mit „Full Circle“ neues Material in die eigene Geschichte integriert. Dass die frischen Stücke neben den Klassikern bestehen können, spricht für die Qualität des Albums von 2024 und für eine Formation, die ihre Vergangenheit kennt, ohne ausschließlich von ihr zu leben.

Natürlich bleibt bei einer solchen Veröffentlichung die Frage, wie viel Live-Magie sich auf Konserve bannen lässt. Der Schweiß vor der Bühne, die gemeinsame Euphorie und der Moment, in dem Tausende Menschen denselben Refrain schmettern, lassen sich schließlich nicht vollständig in eine Aufnahme pressen. Doch genau dafür ist „Live 25“ gedacht: Lautstärke hoch, Alltag runter und hinein in eine Welt, in der der Rock’n’Roll noch immer das letzte Wort hat.

Sweet liefern damit ein kräftiges Lebenszeichen und eine Einladung an alle, die den Glamrock nicht für ein museales Ausstellungsstück halten. Andy Scott und seine Mitstreiter zeigen: Diese Band hat noch Feuer. Und das darf gern weiterbrennen.