Manchmal braucht es keine neue Studioaufnahme, um sich daran zu erinnern, warum eine Band über Jahrzehnte hinweg Kultstatus genießt. Mit „Live At The Capitol“ holen Sweet einen bislang weitgehend verborgenen Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1991 ans Licht der Öffentlichkeit. Erstmals erscheint die Aufnahme aus Hannover als restaurierte CD und auf limitiertem weißem Vinyl – und macht eindrucksvoll deutlich, dass Sweet Anfang der Neunziger weit mehr waren als eine nostalgische Reise durch vergangene Chart-Erfolge.
Natürlich denkt man bei Sweet sofort an Hits wie „Ballroom Blitz“, „Fox On The Run“ oder „Blockbuster“. Doch wer dieses Album hört, merkt schnell, dass die Band damals nicht einfach ihre alten Erfolge verwaltete. Gründungsmitglied Andy Scott hatte mit Mal McNulty, Bodo Schopf, Jeff Brown und Steve Mann eine Mannschaft um sich versammelt, die ordentlich Druck auf die Bühne brachte und den bekannten Songs eine härtere, rockigere Note verlieh.
Schon der Opener „Hellraiser“ macht keine Gefangenen. Die Gitarren klingen bissig, die Rhythmussektion schiebt kraftvoll nach vorne und das Publikum ist von der ersten Minute an dabei. Das folgende „AC/DC“ setzt die Richtung konsequent fort. Hier wird schnell klar: Sweet präsentieren sich 1991 eher als Rockband mit Glam-Wurzeln denn als reine Hitfabrik der Siebziger.
Besonders stark ist die Mischung der Setlist. Natürlich dürfen die großen Klassiker nicht fehlen, aber gerade die weniger bekannten Stücke wie „X-Ray Specs“, „Sweet F.A.“ oder „Cockroach“ sorgen dafür, dass das Konzert nicht zur vorhersehbaren Best-of-Show verkommt. Die Band spielt mit hörbarer Spielfreude und wirkt zu keinem Zeitpunkt wie eine Gruppe, die lediglich alte Erfolge reproduziert.
Zu den absoluten Höhepunkten zählt das epische „Love Is Like Oxygen“. Der Song entfaltet live eine beeindruckende Dynamik und zeigt, warum er bis heute zu den stärksten Kompositionen der Band gehört. Auch „Action“ und „Set Me Free“ entwickeln eine enorme Wucht, während „Blockbuster“ und „Teenage Rampage“ für pure Mitsing-Momente sorgen.
Wenn schließlich „Fox On The Run“ und das unvermeidliche „The Ballroom Blitz“ den Schlusspunkt setzen, wird deutlich, weshalb Sweet auch Jahrzehnte nach ihrer Glanzzeit noch ein Publikum begeistern konnten. Man hört einer Band zu, die Spaß an dem hat, was sie tut – und genau diese Energie überträgt sich auf den Hörer.
Die klangliche Überarbeitung ist dabei erfreulich gelungen. Das Konzert klingt frisch genug, um auch heutigen Hörgewohnheiten standzuhalten, bewahrt aber gleichzeitig den rauen Charme einer echten Live-Aufnahme. Nichts wirkt künstlich glattgebügelt oder überrestauriert.
Fazit
„Live At The Capitol“ ist weit mehr als ein weiterer Archivfund für Komplettisten. Das Album dokumentiert eine Phase von Sweet, die häufig übersehen wird, und zeigt eine Band, die auch Anfang der Neunziger noch voller Energie, Leidenschaft und Spielfreude steckte. Wer Sweet nur auf ihre großen Glam-Rock-Hits reduziert, bekommt hier die Gelegenheit, eine deutlich rockigere und kraftvollere Seite der Gruppe
Text: Pressemitteilung
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