**Sparks auf dem Mond – Wenn selbst der Weltraum nicht sicher vor den Maels ist**

Es gibt Bands, die irgendwann aufhören, sich selbst zu überraschen. Und dann gibt es Sparks. Nach mehr als fünf Jahrzehnten Karriere haben Ron und Russell Mael offenbar beschlossen, dass die Erde musikalisch ausreichend bespielt wurde. Also geht es dorthin, wo noch kein Popduo zuvor war: auf den Mond.

Mit „Sparks Live On The Moon“ erscheint jetzt ein 20 Titel umfassendes Livealbum, das – zumindest der Geschichte nach – bei einem Konzert im Taruntius-Krater aufgenommen wurde. Und weil Sparks selbst auf dem Mond offenbar keine halben Sachen machen, gibt es Cate Blanchett gleich als Moderatorin dazu. Man könnte jetzt fragen, ob das alles ein wenig größenwahnsinnig ist. Bei Sparks wäre das allerdings ungefähr so, als würde man einem Fisch vorwerfen, nass zu sein.

Musikalisch bleiben die Maels dabei das, was sie seit Jahrzehnten sind: Pop-Pioniere mit einer beneidenswerten Fähigkeit, sich jeder Erwartung elegant zu entziehen. Sparks können Glam, Art-Pop, Elektronik, Musical und absurden Humor miteinander verbinden, ohne dass daraus musikalischer Brei wird. Im Gegenteil: Gerade die Mischung macht den Reiz aus.

„Whippings and Apologies“ als Live-Auskopplung zeigt dabei, dass Sparks auch auf der imaginären Mondbühne nichts von ihrer Eigenwilligkeit verloren haben. Ron am Keyboard, Russell mit dieser unverwechselbaren Stimme – und dazwischen Songs, die beweisen, dass Popmusik durchaus gleichzeitig intelligent, schrullig und verdammt eingängig sein darf.

Natürlich muss man bei „Live On The Moon“ die Frage stellen, wie ernst man das Ganze nehmen sollte. Die Antwort lautet vermutlich: überhaupt nicht. Sparks selbst erklären die Mondmission mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre ein Konzert im Taruntius-Krater die logische Fortsetzung einer Welttournee. Und genau darin liegt der Witz.

Cate Blanchett als Reisebegleiterin, vier Tage Flug und jede Menge Witze über die fehlende Erdanziehungskraft – selbst die Pressemitteilung klingt wie ein Sparks-Song, der beschlossen hat, ausnahmsweise einmal Prosa zu werden.

Ob man dafür nun tatsächlich ein Ticket für die Mondtour braucht, sei dahingestellt. Als Idee ist es jedenfalls herrlich typisch Sparks: fünf Jahrzehnte Karriere und immer noch nicht bereit, sich an die Spielregeln zu halten.

Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Albums: Wenn man schon so lange Popmusik macht, sollte man irgendwann dorthin fliegen, wo noch niemand auf die Idee gekommen ist, einem den Platz wegzunehmen.

Auf der Erde gibt es schließlich schon genug Konkurrenz.

Text: Dennis Kresse

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