Manchmal steht das Leben still, während im Kopf ein ganzes Orchester spielt. Genau diesen Zustand fangen So Soon auf „Everything Matters, Nothing Matters“ ein. David Stöbener und Marco Braun legen ihr zweites Album vor und beweisen, dass Indie-Pop durchaus Tiefgang besitzen darf, ohne sich dabei in bedeutungsschwerer Schwermut zu verlieren. Stattdessen gibt es schwebende Melancholie, neblige Hoffnung und Musik, die sich Zeit nimmt.
Indie-Pop, Folk, Electronica und Dream Rock verschmelzen zu einem Sound, der sich jeder eindeutigen Schublade entzieht. Die Vocals harmonieren schwerelos miteinander, während die Arrangements eine beinahe filmische Weite entwickeln. Hier wird nicht mit dem musikalischen Vorschlaghammer gearbeitet. So Soon setzen auf Atmosphäre, feine Details und Gefühle, die sich oft erst beim zweiten Hinhören vollständig entfalten. Coming of Age im Bad der eigenen Gedanken – und das klingt deutlich reizvoller, als es sich manchmal anfühlt.
Inhaltlich widmet sich das Duo den Momenten, in denen Entscheidungen anstehen und das Leben seine unbequemen Fragen stellt. „Would You Call Me“ handelt vom längst überfälligen Anruf, „The Pace“ von der Sehnsucht, einfach aufzugeben, und „It’s Just Fear“ vom inneren Dialog mit der Angst. Das sind keine weltbewegenden Sensationen, sondern jene kleinen und großen Krisen, die uns allen irgendwann begegnen. Gerade deshalb berührt diese Musik.
Die Eigenproduktion klingt dabei gereift, präzise und mutig. Der Mix von Barny Barnicott, der unter anderem mit Arctic Monkeys und Sam Fender gearbeitet hat, verleiht den Songs zusätzliche Kontur, ohne ihre Intimität zu zerstören.
„Everything Matters, Nothing Matters“ ist ein Album für die Zwischenräume des Lebens. Für Zweifel, Aufbruch und die Erkenntnis, dass nicht jede Antwort sofort gefunden werden muss. So Soon liefern keinen Soundtrack zur Selbstoptimierung, sondern einen musikalischen Rückzugsort. Und manchmal ist genau das ziemlich viel.
08.11.26 Berlin (DE) – Frannz Club
09.11.26 Kiel (DE) – Pumpe (Roter Salon)
10.11.26 Hamburg (DE) – Nochtspeicher
13.11.26 Dresden (DE) – Groove Station
15.11.26 Wien (AT) – Chelsea
17.11.26 Freiburg (DE) – Vorderhaus
18.11.26 Mainz (DE) – Kulturclub Schon Schön
19.11.26 Nürnberg (DE) – Club Stereo
23.01.27 Flensburg (DE) – Volksbad
25.01.27 Leer (DE) – Zollhaus (Café)
26.01.27 Münster (DE) – Café Sputnik
27.01.27 Köln (DE) – Garagen
30.01.27 München (DE) – Ampere
31.01.27 Karlsruhe (DE) – Tollhaus
Text: Dennis Kresse
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