Scrollen, Scheitern, Selbstoptimierung: Benjamin verliert den Faden!

Man könnte sagen: Noch ein Roman über einen überforderten Akademiker. Man könnte es sich aber auch sparen – denn „Benjamin im Stroboskop“ von Bernard Hoffmeister ist deutlich mehr als das.

Benjamin ist 29, promoviert über Walter Benjamin und scheitert an allem, was nicht Theorie ist. Beziehung? Schwierig. Karriere? Eher Konzept als Realität. Sinn? Wird noch geliefert, vermutlich im nächsten Update. Stattdessen klickt, denkt und ironisiert er sich durch eine Welt, die sich anfühlt wie ein endloser Feed – und genau so ist dieser Roman auch gebaut.

Fragmentarisch, schnell, manchmal bewusst drüber: Hoffmeister schreibt, als hätte jemand Literatur durch TikTok gejagt – und dabei erstaunlich viel Substanz gerettet. Zwischen Interviewpassagen, Gedankensplittern und popkulturellen Referenzen entsteht ein Text, der genau weiß, wie sich Überforderung im Jahr 2026 anfühlt.

Das eigentlich Spannende: Der Roman macht sich nicht über Benjamin lustig. Er nimmt ihn ernst – in all seiner Selbstüberschätzung, seiner Ironie und seinem permanenten Gefühl, irgendwie nicht hinterherzukommen. Gerade die Passagen mit Doro holen das Buch immer wieder zurück auf den Boden, wo es weh tut.

Natürlich ist das alles sehr bewusst gebaut, sehr klug referenziell, manchmal fast schon ein bisschen zu clever. Aber genau darin liegt auch der Reiz: „Benjamin im Stroboskop“ ist kein Roman, der gelesen werden will – er will durchscrollt, erlebt, manchmal auch ausgehalten werden.

Am Ende bleibt kein klassischer Plot, sondern ein Zustand:Zwischen Konsum, Anspruch und Dauerreflexion.

Text: Dennis Kresse

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