Pandemie, zusammenbrechende Systeme, geschlossene Grenzen und eine Handvoll Menschen, die offenbar immun gegen einen tödlichen Erreger sind. Man muss kein großer Prophet sein, um bei „Scorpio Rising“ kurz innezuhalten. Schließlich hat die Realität in den vergangenen Jahren bereits gezeigt, wie schnell aus einem abstrakten Szenario plötzlich Alltag werden kann.
Der Near-Future-Thriller von Jonathan Held setzt genau dort an, wo das ungute Gefühl beginnt. Ein Virus breitet sich in Europa aus, Hunderttausende sterben, die Gesellschaft zerfällt. Während die staatlichen Strukturen zunehmend versagen, versuchen die wenigen Überlebenden herauszufinden, was hinter „Scorpio“ steckt.
Das Interessante dabei: Hier gibt es keine klassischen Superhelden, die mal eben die Welt retten. Die vermeintlich Immunen sind schlicht Menschen, die Glück gehabt haben. Oder Pech – je nachdem, wie sich die Geschichte entwickelt. Denn schnell stellt sich die Frage, ob der Erreger tatsächlich natürlichen Ursprungs ist.
„Scorpio Rising“ lebt dabei weniger von spektakulären Actionmomenten als von der beklemmenden Vorstellung, wie fragil unsere vermeintlich stabile Welt eigentlich ist. Vertrauen wird zur Mangelware, Grenzen bekommen plötzlich wieder eine Bedeutung und die Suche nach Antworten wird zur Überlebensfrage.
Ganz frei von bekannten Thriller-Mustern kommt das Buch zwar nicht daher, aber die Nähe zur Realität verleiht der Geschichte einen unangenehmen zusätzlichen Reiz. Man liest manche Szenen unweigerlich mit dem Gedanken: Hoffentlich bleibt das wirklich nur ein Roman.
„Scorpio Rising “ ist damit ein spannender Near-Future-Thriller für alle, die ihre Endzeitgeschichte lieber mit gesellschaftlichen Fragen als mit Zombies serviert bekommen. Beklemmend, durchaus nachdenklich und stellenweise unangenehm nah an dem, was wir uns eigentlich lieber nicht vorstellen möchten.
Text: Dennis Kresse
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