Mit Horses liefern ALPKAN genau das, was man nach ihrem Debüt „Hoas is!“ erwarten durfte – und gleichzeitig deutlich mehr. Dieses Album ist kein gemütlicher Hüttenabend, sondern ein wilder Ritt zwischen Tradition, Ironie und musikalischer Grenzüberschreitung.
Schon die Single Schwoazfoahra zeigt ziemlich genau, wohin die Reise geht: Ein Trauermarsch, der plötzlich zur Polka explodiert, textlich irgendwo zwischen Schmäh, Gesellschaftskommentar und augenzwinkernder Ausrede pendelt. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch erstaunlich clever gebaut. Was zunächst wie ein Witz wirkt, entpuppt sich als ziemlich präzise Beobachtung – inklusive Seitenhieb auf Moral, Regeln und deren Auslegung.
Musikalisch bleibt sich die Band treu: Bläser, Tuba, Gitarre und Schlagzeug treffen auf Einflüsse aus Balkan, Wienerlied, Volksmusik – und eben allem, was sonst noch irgendwie dazwischenpasst. Polka neben Flamenco, Jodler mit elektronischem Gefühl, dazu dieser leicht schiefe, aber charmante Wiener Tonfall. Das kann schnell ins Beliebige kippen, tut es hier aber erstaunlich selten.
„Horses“ lebt vor allem von seiner Spielfreude. Die Stücke wirken oft wie im Moment entstanden, behalten dabei aber genug Struktur, um nicht auseinanderzufallen. Man hört der Band an, dass sie Lust hat, Dinge auszuprobieren – und dass sie sich nicht allzu ernst nimmt. Genau das macht das Album so zugänglich.
Inhaltlich bleibt ALPKAN nah am Alltag, aber immer mit einem Augenzwinkern. Geschichten vom Scheitern, vom Davonkommen, vom Sich-Durchmogeln – alles verpackt in eine Sprache, die zwischen Humor und leiser Melancholie pendelt. Das ist manchmal sehr lokal, fast schon nischig – aber gerade darin liegt der Charme.
Natürlich ist das kein Album für jede Gelegenheit. Wer klare Genre-Grenzen oder radiotaugliche Hooks sucht, wird hier nicht unbedingt fündig. „Horses“ will entdeckt werden, nicht konsumiert.
Ein Album wie eine Fahrt ohne Ticket: ein bisschen riskant, manchmal chaotisch, aber definitiv lohnenswert. ALPKAN liefern mit „Horses“ einen eigenwilligen, lebendigen Mix aus Tradition und Gegenwart – und beweisen, dass musikalische Grenzen oft nur eine Frage der Perspektive sind.
Text: Dennis Kresse
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