Manche musikalischen Ideen entstehen aus einer spontanen Begegnung – und entwickeln dann ein erstaunlich langes Eigenleben. Genau so verhält es sich mit dem Randy Newman Projekt, bei dem drei sehr unterschiedliche Musiker ihre gemeinsame Liebe zu den Songs von Randy Newman feiern. In der Kulturwerkstatt Remagen kehrt das Projekt nun mit der Version 5.0 – „Reprise“ auf die Bühne zurück.
Im Mittelpunkt stehen drei Persönlichkeiten, die aus verschiedenen musikalischen Richtungen kommen: der Berliner Liedermacher Manfred Maurenbrecher, der österreichische Sänger und Keyboarder George Nussbaumer sowie der Saxophonist und Multiinstrumentalist Richard Wester. Jeder bringt seine eigene Klangwelt und Bühnenpräsenz ein – gemeinsam entsteht daraus ein Abend, der weit mehr ist als eine bloße Hommage.

Ironie, Groove und große Geschichten
Die Songs von Randy Newman leben von bitterböser Ironie, feinem Humor und messerscharfen Beobachtungen menschlicher Schwächen. Genau diese Mischung greifen Maurenbrecher, Nussbaumer und Wester auf – allerdings ohne in bloße Imitation zu verfallen. Stattdessen interpretieren sie das Material neu: mal bluesig und groovend, mal nachdenklich und erzählerisch.
Maurenbrecher fungiert dabei oft als dramaturgischer Motor am Klavier. Seine erzählerische Art passt hervorragend zu Newmans Figurenstudien – kleinen Geschichten über gescheiterte Träume, skurrile Charaktere und die Absurditäten des Alltags.

George Nussbaumer liefert dazu eine kraftvolle, warme Stimme, die den Songs eine gehörige Portion Soul verpasst. Der blinde Sänger aus Vorarlberg, der in Österreich längst Kultstatus besitzt, bringt eine emotionale Intensität ein, die den Abend immer wieder auflädt.
Richard Wester wiederum sorgt mit Saxophon und Flöten für die klanglichen Farben zwischen Jazz, Pop und Americana. Sein charakteristischer Ton verbindet die Stimmen der beiden Sänger und öffnet den Arrangements immer wieder neue Räume.
Mehr als ein Tribute-Abend
Was dieses Projekt besonders macht: Es funktioniert nicht wie ein klassisches Tribute-Konzert. Die drei Musiker erzählen vielmehr ihre eigenen Geschichten durch die Songs von Newman – und entwickeln daraus eine Mischung aus Konzert, musikalischer Lesung und improvisierter Bühnenchemie.
Dass diese Kombination funktioniert, hat das Projekt bereits in früheren Jahren auf zahlreichen Bühnen gezeigt. Nach längerer Pause wirkt die „Reprise“ nun fast wie ein Wiedersehen alter Freunde – mit Musik, die trotz ihres Alters nichts von ihrer bissigen Aktualität verloren hat.
In der Kulturwerkstatt Remagen dürfte das Publikum damit einen Abend erleben, der gleichzeitig nostalgisch und überraschend frisch wirkt: drei Musiker, drei Handschriften – und ein Songwriter, dessen Humor und Menschenkenntnis bis heute nachhallt. Danke dafür.
Text: Dennis Kresse
Credits: Harald Rötter