Zwischen Rap, Indie und Pop-Punk bewegt sich der Kölner Künstler Rowli ziemlich selbstverständlich. Seine neue EP „Eigentlich Schön“ erscheint am 20. März – relativ spontan angekündigt, aber alles andere als zufällig entstanden. Die Songs erzählen von Beziehungen, Umbrüchen und Momentaufnahmen aus dem eigenen Leben. Wir haben mit Rowli über schnelle Releases, Melodien statt Rap-Klischees und sein Release-Event in Köln gesprochen.
soundchecker.koeln: Deine neue EP „Eigentlich Schön“ erscheint am 20. März relativ kurzfristig angekündigt. Was hat dich dazu gebracht, die Veröffentlichung so spontan zu planen?
Rowli: Also geplant ist das Projekt schon länger, aber ich glaube, dass heute tagtäglich soooo viel Musik erscheint, dass die Menschen gar nicht mehr die Kapazitäten haben, sich ein halbes Jahr oder länger auf eine EP zu freuen, auch wenn das vielleicht ein bisschen pessimistisch gedacht ist. „Eigentlich schön“ ist ja eben auch kein Album, sondern sowas wie eine Bestandaufnahme von mir in meiner aktuellen Lebensphase – das wollte ich irgendwie auch nicht unnötig groß aufblasen.
soundchecker.koeln: Du kommst ursprünglich aus der Underground-Hip-Hop-Szene rund um Köln. Wann hast du gemerkt, dass du musikalisch auch in Richtung Indie und melodischeren Pop gehen willst?
Rowli: Eigentlich hab ich das direkt gemerkt. Als ich damals angefangen habe zu rappen, waren Melodien und eingängige Hooks direkt das, was mir am meisten Spaß gemacht hat und wo ich auch gemerkt habe, dass ich mich dadurch am meisten von anderen in meinem damaligen Umfeld abheben konnte. Außerdem hatte ich auch einfach keine Lust auf Rap-Klischees oder irgendwelche Battles – das können andere besser.
soundchecker.koeln: In deiner Musik treffen Rap, Indie und Pop-Punk aufeinander – Einflüsse von Bands wie Green Day oder blink-182 hört man durchaus heraus. Wie hat sich dieser Sound bei dir entwickelt?
Rowli: Ich höre persönlich auch sehr viel alte Musik und mache ehrlich gesagt einfach das, worauf ich gerade Bock habe, wodurch auch viele verschiedene Inspirationen in meine bisherige Musik geflossen sind. Dazu kommt, dass ich mit sehr unterschiedlichen Produzenten gearbeitet habe, woraus automatisch immer wieder ein anderer Sound entsteht.
soundchecker.koeln: Gleichzeitig gibt es auch Parallelen zum deutschsprachigen Pop-Rap à la Cro und seinem „Raop“-Ansatz. War das für dich ein wichtiger Referenzpunkt oder eher ein zufälliger Vergleich?
Rowli: Das habe ich nie wirklich gezielt forciert. Als ich 2018 mit Musik angefangen habe, habe ich meiner Mutter mal gesagt, dass ich die alten Cro-Sachen immer noch zeitlos finde und gerne höre. Vier Jahre später haben mich auf einmal viele damit verglichen. Da habe ich gemerkt, dass dieser Einfluss scheinbar unterbewusst in meine Musik geflossen ist – was mich aber nicht stört, sondern eher freut. Ich sehe es als Kompliment.
soundchecker.koeln: „Eigentlich Schön“ erzählt vom Entstehen und Zerbrechen einer Beziehung. Schreibst du solche Songs eher aus sehr persönlichen Erfahrungen oder beobachtest du auch viel aus deinem Umfeld?
Rowli: Das ist oft unterschiedlich. Bei dieser EP ist viel aus meinen eigenen Erfahrungen eingeflossen und aus vielen unterschiedlichen Situationen wurde eine geschlossene Geschichte. Aber auch wenn ich in meinem Umfeld sowas mitbekomme und nah dran bin, passiert es schnell, dass ich mich in diese Emotion reinfühle und das aufgreife.
soundchecker.koeln: Viele deiner neuen Songs wirken deutlich melodischer als klassische Rap-Tracks. Fiel es dir leicht, plötzlich mehr zu singen als zu rappen?
Rowli: Auf jeden Fall! Ich denke, das ist ja ein Muster, das auch in meinen alten Songs stattgefunden hat. Es war schon früher eher die Ausnahme, dass ich klassische Rap-Tracks rausgebracht habe, da Melodien immer der Hauptbestandteil meines Sounds waren. Heute spielen sie einfach eine noch größere Rolle.
soundchecker.koeln: Du veröffentlichst mit „Eigentlich Schön“ bereits deine dritte Solo-EP. Hast du das Gefühl, dass du musikalisch inzwischen klarer weißt, wer Rowli als Künstler ist?
Rowli: Ich habe mich auf dieser EP so viel ausprobiert wie selten zuvor und überall mal ein bisschen reingeschnuppert. Ich kann inzwischen im Studio viel besser einschätzen und kommunizieren, was ich fühle und was ich nicht. Aber mich musikalisch in eine Ecke zu versteifen und festzulegen, möchte ich trotzdem nicht.
soundchecker.koeln: Am 19. März gibt es ein Release-Event in Köln. Was erwartet die Leute dort – eher Konzert, Listening-Session oder eine Mischung aus beidem?
Rowli: Eher eine Mischung aus beidem. Wir haben eine wunderschöne Location gefunden und dort werden wir zum ersten Mal die EP in voller Länge hören und über die Hintergründe und Entstehungsgeschichten der Songs sprechen. Danach gibt es noch ein Mini-Akustik-Konzert, was mich schon etwas nervös macht. Am meisten freue ich mich ehrlich gesagt darauf, mit meinem Publikum so richtig im Real Life zu sprechen – das ist schon nochmal etwas anderes als der flüchtige Kontakt auf Instagram oder auf Tour.
soundchecker.koeln: Wenn jemand Rowli noch nicht kennt und nur einen Song von „Eigentlich Schön“ hören dürfte – welcher Track würde am besten zeigen, wofür du musikalisch stehst?
Rowli: Definitiv „Wie du“! Das ist mein absoluter Lieblingssong von der EP und steht sehr gut für die Gefühle und den Sound, den ich gerade einfangen möchte.
Vielen Dank für das nette Gespräch.
Fragen: Dennis Kresse
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