Roland Jankowsky ist vielen als Kommissar Overbeck aus der ZDF-Reihe Wilsberg bekannt – eine Figur, die längst Kultstatus genießt. Bei seiner Lesung im Bonner Pantheon zeigte sich jedoch schnell, dass Jankowsky weit mehr ist als „nur“ der schrullige TV-Ermittler. Mit seinem Programm „Die kriminellen Geschichten des O.“ verwandelte er den Abend in eine ebenso unterhaltsame wie spannungsreiche Mischung aus Krimi, Schauspiel und feinsinnigem Humor.
Statt einer klassischen Autorenlesung präsentierte Jankowsky eine Auswahl kurzer, krimineller Geschichten verschiedener Autoren, die er mit großer Präzision und spürbarer Spielfreude vortrug. Dabei las er nicht einfach vom Blatt, sondern inszenierte die Texte mit Stimme, Timing und kleinen Gesten. Jede Figur bekam ihre eigene Klangfarbe, jede Pointe saß – mal trocken, mal überraschend, oft mit einem leicht schwarzen Unterton. Das erinnerte stellenweise eher an einen Theaterabend als an eine herkömmliche Lesung.
Die Atmosphäre im Pantheon war entsprechend dicht. Das Publikum folgte konzentriert, reagierte mit herzhaftem Lachen an den richtigen Stellen und mit gespannter Stille, wenn die Geschichten eine düstere Wendung nahmen. Besonders gelungen war die Balance zwischen Humor und Krimi: Die Texte unterhielten, ohne banal zu wirken, und bauten Spannung auf, ohne sich in Effekthascherei zu verlieren. Immer wieder blitzte dabei auch der Geist von Overbeck durch – allerdings ohne dass die bekannte Figur je zur reinen Selbstkopie wurde.
Jankowskys große Stärke an diesem Abend war seine Präsenz. Er nahm das Publikum mit, führte es sicher durch die Geschichten und ließ Raum für eigene Bilder im Kopf. So wurde die Lesung zu einem kurzweiligen, aber dennoch anspruchsvollen Abend, der zeigte, wie lebendig Literatur auf der Bühne sein kann. Für Krimi-Fans ebenso wie für Freunde guter Bühnenunterhaltung war dieser Auftritt im Pantheon ein voller Erfolg – und definitiv mehr als ein Nebenprojekt eines Fernsehstars.
Text: Dennis Kresse
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