**50 Jahre auf der Straße, 50 Jahre Rock’n’Roll und jetzt tatsächlich die letzte Runde:** Wenn eine Band wie Rose Tattoo ihre Abschiedstour ankündigt, schwingt zwangsläufig ein bisschen Wehmut mit. Aber wer am Freitagabend in der Live Music Hall in Köln dabei war, bekam davon erstaunlich wenig mit. Bei der **„Rock’n’Roll Outlaws – One Last Ride“-Tour** ging es nicht darum, sich gegenseitig Taschentücher zu reichen. Es ging um lauten, dreckigen, ehrlichen Rock’n’Roll.
Den Abend eröffneten **Velvet Rush**. Die Live Music Hall war zu diesem Zeitpunkt bereits ordentlich gefüllt und die Band hatte keinerlei Ambitionen, sich lediglich als musikalische Fußnote vor dem Hauptact abheften zu lassen. Mit druckvollem Rock und ordentlich Energie auf der Bühne sorgten Velvet Rush dafür, dass das Publikum schon einmal auf Betriebstemperatur kam. Ein Support-Act, der seinen Job verstanden hat: nicht langweilen, sondern Lust auf mehr machen.
Dann wurde es ernst.
**Rose Tattoo** betreten die Bühne – und plötzlich ist das Alter der Band ziemlich egal. Natürlich ist es ein besonderer Moment, **50 Jahre Rose Tattoo** zu feiern. Natürlich weiß jeder im Saal, dass diese Tour unter dem Titel „One Last Ride“ läuft. Und natürlich schaut man irgendwann ein wenig genauer hin. Aber spätestens nach den ersten Takten von **„Scarred for Life“** ist klar: Hier steht keine Rockband im Museum, sondern eine Truppe, die immer noch weiß, wie man einen Saal zum Kochen bringt.
Frontmann **Angry Anderson** ist dabei genau das, was man von ihm erwartet – und vielleicht noch ein bisschen mehr. Keine überflüssigen Ansagen, keine Rock’n’Roll-Pose für die Galerie. Stattdessen Präsenz, Charisma und diese unverwechselbare Stimme, die Rose Tattoo seit Jahrzehnten zu einer Institution des australischen Hard Rock macht.

Die Setlist liest sich ohnehin wie ein ziemlich überzeugendes Argument dafür, warum diese Band bis heute funktioniert. **„One of the Boys“**, **„Man About Town“**, **„Rock ’n‘ Roll Is King“**, **„Manzil Madness“** und **„Chinese Dunkirk“** holen die frühen Jahre zurück in die Gegenwart. Mit **„All the Lessons“**, **„Sidewalk Sally“** und **„Suicide City“** bleibt es dreckig und direkt, bevor mit **„Rock ’n‘ Roll Outlaw“** endgültig einer dieser Momente erreicht ist, für die man eigentlich auf ein solches Konzert geht.
Und dann sind da natürlich **„The Butcher and Fast Eddy“**, **„T.V.“**, **„Remedy“** und **„Bad Boy for Love“**. Spätestens hier dürfte auch der letzte Zweifler verstanden haben, dass Rose Tattoo nicht gekommen sind, um sich würdevoll zu verabschieden. Sie sind gekommen, um noch einmal ordentlich Lärm zu machen.
Mit **„We Can’t Be Beaten“** und **„Nice Boys“** geht es Richtung Finale. Wobei „Finale“ bei Rose Tattoo natürlich ein dehnbarer Begriff ist. Die Zugaben bringen mit **„Hard Road“**, dem Stevie-Wright-Cover, und **„Astra Wally“** noch einmal zwei Nummern auf die Bühne, die diesen Abend wunderbar abrunden.
Was bleibt?
Vor allem das Gefühl, eine Band gesehen zu haben, die sich nie darum gekümmert hat, irgendwelchen Trends hinterherzulaufen. Rose Tattoo waren nie dafür da, geschniegelt und glatt zu klingen. Ihr Rock’n’Roll war immer kantig, laut, verschwitzt und ein bisschen gefährlich. Und genau deshalb funktioniert er auch nach fünf Jahrzehnten noch.
Natürlich ist es schade, dass diese Tour tatsächlich die letzte Europareise der australischen Rocklegenden sein soll. Aber vielleicht ist es auch besser, eine solche Geschichte dann zu beenden, wenn man noch etwas zu erzählen hat.
Am Freitag in Köln jedenfalls haben Rose Tattoo nicht Abschied genommen.**Sie haben noch einmal gezeigt, warum man sie vermissen wird.**
**Setlist**
1. Scarred for Life
2. One of the Boys
3. Man About Town
4. Rock ’n‘ Roll Is King
5. Manzil Madness
6. Chinese Dunkirk
7. All the Lessons
8. Sidewalk Sally
9. Suicide City
10. Rock ’n‘ Roll Outlaw
11. The Butcher and Fast Eddy
12. T.V.
13. Remedy
14. Bad Boy for Love
15. We Can’t Be Beaten
16. Nice Boys
**Zugaben:**
17. Hard Road *(Stevie Wright Cover)*
18. Astra Wally
Text: Dennis Kresse
Credits: Harald Rötter