Mit ihrer neuen EP „But Still“ liefern MORLEY einen Soundtrack für die großen und kleinen Übergänge des Lebens. Zwischen Folkpop, Americana und berührendem dreistimmigem Harmoniegesang bewegt sich das Trio durch Themen wie Loslassen, Neuanfang, Trauer und Hoffnung. Im Gespräch mit soundchecker.koeln sprechen die drei Musikerinnen über persönliche Geschichten hinter ihren Songs, die Herausforderungen als unabhängige Band und darüber, warum echte Musik auch im Zeitalter von Algorithmen ihren Platz behauptet.
Eure neue EP „But Still“ klingt wie Musik für diese seltsamen Stunden zwischen Aufbruch, Rückblick und nächtlicher Melancholie. Entstehen eure Songs eher aus konkreten Geschichten – oder mehr aus Stimmungen und Bildern?
Viele unserer Songs entstehen aus sehr persönliche Geschichten, wir neigen alle drei dazu, schwierige Phasen im Leben durch Musik zu verarbeiten. Es gibt aber auf jeden Fall auch Songs, die eher einem Gefühl im Allgemeinen gewidmet sind. Auf BUT STILL überwiegen aber die konkreten Stories hinter den Songs!
MORLEY wirken musikalisch unglaublich intim und zerbrechlich, gleichzeitig aber auch sehr entschlossen und eigenständig. Wie schwer ist es heute eigentlich geworden, sich als unabhängige Band nicht permanent verbiegen zu lassen?
Puh, also einfach ist es sicher nicht. Wir haben das große Glück, dass wir uns drei als Stütze haben und bei schwierigen Entscheidungen nicht alleine dastehen, sondern gemeinsam als gleichberechtigte Partnerinnen entscheiden können, wohin die Reise gehen soll. Unsere Musik möglichst unverstellt und ohne Hintergedanken machen zu können, ist uns allen extrem wichtig.
Zwischen Folkpop, Americana und dreistimmigem Harmoniegesang erzeugt ihr eine fast filmische Atmosphäre. Gibt es bestimmte Orte, Filme oder Künstler:innen, die den Sound von MORLEY besonders geprägt haben?
Wir haben in unserer Anfangszeit viel Musik vorgespielt, die wir mögen – zum Beispiel I’m With Her, The Staves, Mountain Man oder Emily King – daraus hat sich unser eigener Sound entwickelt, aber jede von uns bringt auch unterschiedliche Qualitäten mit, gerade was das Songwriting angeht. Wir sind auf jeden Fall alle große Fans von „alter“ Musik, egal ob aus dem Bereich Singer-Songwriter, Soul oder Disco.
„But Still“ beschäftigt sich mit Loslassen und Festhalten zugleich – zwei Gefühle, die sich oft gegenseitig blockieren. Warum faszinieren euch gerade diese emotionalen Zwischenzustände so sehr?
Wir finden, das Leben wird oft genau da spannend, wo sich verschiedene Gefühle scheinbar nicht vereinbaren lassen. Soll ich gehen oder bleiben? In welche Richtung geht es weiter? Wenn immer alles klar und ohne Reibung wäre, wäre es uns allen viel zu langweilig! Deswegen beschäftigen wir uns in unseren Songs auch viel mit den Konflikten und Fragen, die das Leben bereithält, denn daran wachsen wir letztlich als Menschen.
Eure Musik wirkt oft angenehm entschleunigt, obwohl die Welt gerade immer hektischer und lauter wird. Ist MORLEY inzwischen auch eine bewusste Gegenreaktion auf diese permanente Überforderungskultur?
Also bewusst kann man es denke ich nicht nennen, aber ich glaube wir genießen alle den Abstand und die Entschleunigung von der Hektik, und das hört man bestimmt auch in unserer Musik!
Ihr habt euch seit 2020 komplett unabhängig entwickelt und trotzdem schon Bühnen wie das Gloria Theater oder das Schauspielhaus Bochum gespielt. Gab es einen Moment, in dem euch klar wurde: „Okay, das hier funktioniert wirklich“?
Es gab über die Jahre immer wieder viele kleine und große Momente, wo wir gemerkt haben, dass wir einfach unglaublich gut zusammen funktionieren, egal ob auf der Bühne oder hinter den Kulissen als Kolleginnen aber auch als sehr gute Freundinnen. Von Anfang an war da viel Vertrautheit zwischen uns, die sich in der Musik sehr deutlich zeigt. Und auch von außen haben wir viel Vertrauensvorschuss bekommen und haben eine sehr liebe Community aufgebaut, die an uns glaubt und uns tatkräftig unterstützt. Dafür sind wir mega dankbar! So eine solide Basis ist extrem wertvoll, wenn man auf lange Sicht zusammen Musik machen will, und wir sind total happy, uns gefunden zu haben.
Gerade euer dreistimmiger Gesang wirkt oft fast schwerelos. Wie entsteht diese besondere Harmonie zwischen euch – eher intuitiv oder durch akribische Arbeit?
Absolut intuitiv! Bei unserer allerersten Probe haben wir sofort diese Verschmelzung unserer Stimmen gespürt. Das ist eine echte Seltenheit, dass es so direkt matcht! Wir wussten sehr schnell, dass wir diese Chance wahrnehmen müssen und haben MORLEY ins Leben gerufen. Die Harmonie ist seitdem immer noch stärker geworden, aber eher durch unsere persönliche Vertrautheit und Zuneigung, und weniger durch akribisches Üben.
Ihr wart mit Die Höchste Eisenbahn auf Tour und habt als erster Act überhaupt eine Wildcard für das Traumzeit Festival gewonnen. Spürt ihr inzwischen mehr Druck – oder eher zusätzliche Freiheit?
Wir empfinden es als riesiges Geschenk, dass wir so viel Unterstützung von außen bekommen und mit unserer Musik auf so tollen Bühnen stehen dürfen! Ich würde sagen der Druck bleibt mehr oder weniger gleich, aber der Ansporn wird größer und wir wollen noch höher hinaus!
Viele Bands sprechen davon, „authentisch“ zu sein. Bei MORLEY hat man allerdings wirklich das Gefühl, dass nichts kalkuliert wirkt. Wie wichtig ist euch diese Ehrlichkeit – gerade in einer Zeit, in der Musik oft sofort algorithmustauglich funktionieren soll?
Wir versuchen, nicht so viel darüber nachzudenken, was der Markt von uns will, oder welche Musik sich gerade besonders gut verkaufen lassen könnte, sondern einfach die Musik zu machen, die uns selbst am glücklichsten macht und uns am meisten Freude bereitet. Der Bedarf an echter, akustischer, von Menschen live gemachter Musik ist bestimmt gerade hoch, und das kommt uns natürlich entgegen, weil das genau das ist, was wir schon immer machen und machen wollen. Gemeinsam zu singen und anderen beim Singen zuzuhören ist auf jeden Fall Balsam für die Seele! Die richtigen Menschen wird unsere Musik erreichen, auch ohne optimierte Algorithmen und perfekten Content – aber wir wissen natürlich, dass man das Game heutzutage auch mitspielen muss und geben uns Mühe, online authentisch präsent zu sein.
Hand aufs Herz: Wenn „But Still“ tatsächlich ein Soundtrack wäre – welche Szene würde dazu laufen? Eher nächtliche Autobahn, letzter Tanz, Abschied am Bahnhof oder doch der erste Moment nach einem Neuanfang?
Das kommt ganz auf den Song an, den du von der neuen EP gerade hörst! Es ist für jede Stimmung was dabei, weil wir die Songs aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln geschrieben haben. Trennung, Neuanfang, Unbeschwertheit, Trauer, wir haben alles reingepackt 🙂
Vielen Dank für das schöne Gespräch.
Interview: Dennis Kresse
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