Miss Allie hat Funny Bones. Das ist inzwischen hinreichend bekannt. Was man allerdings leicht übersieht: Zwischen all den Pointen, schrägen Beobachtungen und musikalischen Ausflügen steckt eine Menge Nachdenklichkeit. Im Bonner Pantheon zeigt die Singer-Songwriterin jedenfalls ziemlich eindrucksvoll, dass Humor und Haltung keine natürlichen Feinde sind.
Schon nach wenigen Minuten ist klar: Hier wird heute niemand einfach nur seine Sitzplatznummer absitzen. Miss Allie nimmt das Publikum mit – und zwar nicht mit dem Holzhammer, sondern mit Charme, Tempo und der ziemlich beneidenswerten Fähigkeit, aus einer kleinen Alltagssituation eine komplette Geschichte zu bauen. Das Publikum lacht, antwortet, wird einbezogen. Das Konzert bekommt dadurch etwas Gemeinschaftliches, beinahe Wohnzimmerhaftes. Nur dass im Wohnzimmer normalerweise niemand so virtuos Gitarre spielt.
Musikalisch bewegt sich Miss Allie irgendwo zwischen modernem Liedermaching, Pop und dem, was man früher vielleicht einmal Chanson genannt hätte. Wobei „früher“ bei ihr kein besonders zuverlässiger Begriff ist. Ihre Songs sind persönlich, manchmal herrlich albern, dann wieder erstaunlich direkt. Und genau hier wird der Abend interessant.

Denn Miss Allie kann über das Leben lachen, ohne sich über das Leben lustig zu machen. Sie erzählt von Beziehungen, Erwartungen, gesellschaftlichen Rollen und den kleinen Absurditäten des menschlichen Zusammenlebens. Manche Pointe sitzt sofort. Andere bleiben ein paar Sekunden länger im Raum. Und plötzlich merkt man: Moment mal, darüber habe ich gerade gelacht – aber eigentlich steckt da verdammt viel Wahrheit drin.
Das ist die große Stärke dieses Abends. Miss Allie muss ihre Botschaften nicht mit erhobenem Zeigefinger servieren. Sie reicht sie einem lächelnd auf einem kleinen musikalischen Tablett. Man nimmt sie entgegen, lacht – und denkt anschließend trotzdem darüber nach.
Dass sie längst auch in Comedyformaten zu Hause ist, mit Carolin Kebekus auf der Bühne stand und von Olli Schulz empfohlen wurde, überrascht deshalb kaum. Miss Allie kann Comedy. Aber sie ist eben keine Komikerin, die zufällig Musik macht. Sie ist Musikerin und Entertainerin, die verstanden hat, dass ein guter Song manchmal eine Pointe braucht – und eine gute Pointe manchmal einen Song.
Im Pantheon funktioniert diese Mischung hervorragend. Mal wird laut gelacht, mal leiser zugehört. Und genau diese Wechsel machen den Abend so angenehm unberechenbar.
Wenn Miss Allie anschließend ihr Publikum wieder nach Hause entlässt, bleibt deshalb mehr zurück als ein paar gute Lacher. Vielleicht auch die Erkenntnis, dass man schwierige Dinge durchaus leichter machen kann, ohne sie weniger ernst zu nehmen.
Oder anders gesagt: Wer über das Leben lachen kann, hat es vielleicht noch lange nicht verstanden. Aber Miss Allie zeigt ziemlich charmant, dass man es zumindest versuchen sollte.
Text: Dennis Kresse
Credits: Harald Kirsch (Pantheon)