Jovanotti & Jack Savoretti, 07.07.2026 – Kunst!Rasen Bonn
Es gibt Konzerte, bei denen man nach dem letzten Song zufrieden nach Hause geht. Und es gibt Abende, bei denen man für ein paar Stunden vergisst, in welchem Land man sich eigentlich befindet.
Am Dienstag war Bonn nicht Bonn. Für einen Abend lag der Nabel der Welt – *L’ombelico del mondo* – am Kunst!Rasen.
Schon der Auftakt machte Lust auf mehr. Jack Savoretti präsentierte sich als stilvoller Songwriter mit italienischen Wurzeln und britischer Gelassenheit. Seine warmen Melodien und seine unverwechselbare Stimme bildeten den perfekten Gegenpol zu dem musikalischen Feuerwerk, das anschließend folgen sollte. Besonders sympathisch: Nach seinem Auftritt mischte sich Savoretti noch unter die Fans, plauderte und nahm sich Zeit für Erinnerungsfotos. Eine Geste, die heute längst nicht mehr selbstverständlich ist.
Dann betrat Jovanotti die Bühne – und plötzlich war Bewegung keine Entscheidung mehr, sondern ein Naturgesetz.
Der Italiener gehört zu den wenigen Künstlern, die mühelos unterschiedlichste Musikwelten miteinander verbinden. Rock, Funk, Reggae, Rap, Weltmusik, Elektropop und italienischer Pop treffen bei ihm nicht aufeinander, sie tanzen miteinander. Was auf dem Papier nach einem wilden Durcheinander klingt, wirkt live wie aus einem Guss. Seine Songs besitzen diese seltene Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang. Sie bringen die Beine in Bewegung, ohne dabei das Herz zu vergessen.
Dass Lorenzo Cherubini, wie Jovanotti mit bürgerlichem Namen heißt, überhaupt wieder in dieser körperlichen Verfassung über eine Bühne wirbelt, grenzt fast an ein kleines Wunder. Nach seinem schweren Fahrradunfall in der Dominikanischen Republik vor zwei Jahren mit mehreren Brüchen schien lange ungewiss, wann er wieder auftreten würde. Davon war in Bonn nichts mehr zu spüren. Der 59-Jährige sprang, tanzte und lief über die Bühne mit einer Energie, als wolle er jede Minute nachholen, die ihm während seiner langen Reha gefehlt hatte.
Dabei wirkte nichts einstudiert oder routiniert. Jovanotti besitzt diese besondere Gabe, große Konzertmomente entstehen zu lassen, ohne sie erzwingen zu wollen. Seine positive Ausstrahlung übertrug sich vom ersten Moment an auf das Publikum. Es wurde getanzt, gesungen und gelacht – unabhängig vom Alter. Für ein paar Stunden spielte es keine Rolle, ob man Italienisch verstand oder nicht. Musik war an diesem Abend die gemeinsame Sprache.
Auch nach mehr als drei Jahrzehnten kreativen Schaffens klingt Jovanotti erstaunlich frisch. Vielleicht gerade deshalb, weil er sich nie auf seinem Erfolg ausgeruht hat. Seine Musik bleibt neugierig, offen und ständig in Bewegung – genau wie ihr Schöpfer.
Als die letzten Töne verklungen waren, kehrte Bonn langsam wieder nach Bonn zurück. Für einen Sommerabend aber hatte Jovanotti geschafft, was nur wenigen Künstlern gelingt: Er ließ den Kunst!Rasen wie das Zentrum einer kleinen, glücklichen Welt wirken.
Oder, um es mit einem seiner bekanntesten Songtitel zu sagen: **L’ombelico del mondo**.
Text: Dennis Kresse
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