Es gibt Themen, die man musikalisch gerne etwas kleiner halten kann. Wetter zum Beispiel. Oder gute Laune. Paris Paloma entscheidet sich auf The Fatal Flaw dagegen und nimmt sich gleich die Liebe vor. Nicht die Variante mit Sonnenuntergang, Herzchen und zwei Cocktails auf Instagram, sondern das komplette Problem: Liebe als Kunst, als Machtfrage, als politischer Akt und als etwas, dessen Fehlen erstaunlich viel kaputtmachen kann.
Das klingt zunächst nach einem Album, das beim Hören vermutlich gerne bedeutungsschwer auf einen hinabblickt. Tut es aber nicht. The Fatal Flaw ist zwar philosophisch aufgeladen, bleibt dabei jedoch emotional und erstaunlich unmittelbar. Paloma interessiert sich nicht nur dafür, wie Liebe sich anfühlt, sondern auch dafür, was sie mit Menschen macht – und was passiert, wenn sie ausbleibt.
Besonders interessant ist dabei der Blick auf Liebe im Patriarchat. Romantik wird nicht als private Angelegenheit behandelt, die außerhalb der großen gesellschaftlichen Zusammenhänge existiert. Beziehungen haben Machtverhältnisse, Erwartungen und Regeln. Manchmal ausgesprochene, meistens nicht. Und manchmal sind diese Regeln ungefähr so charmant wie ein Strafzettel.
Paloma macht daraus keine trockene Vorlesung, sondern Songs, die zwischen Verletzlichkeit, Wut, Sehnsucht und Selbstbehauptung pendeln. Gerade dadurch funktioniert das Konzept. Selbst die Stücke, die scheinbar gar nicht von Liebe handeln, kreisen um ihre Abwesenheit. Um Einsamkeit, Entfremdung, Verlust und die ziemlich unangenehme Erkenntnis, dass Menschen Liebe offenbar doch dringender brauchen, als sie gelegentlich zugeben möchten.
The Fatal Flaw ist damit weniger ein Liebesalbum als eine Untersuchung dessen, was Liebe überhaupt bedeutet. Und das ist deutlich interessanter als die nächste musikalische Herzschmerzsammlung.
Paris Paloma macht aus der Liebe keinen Kuschelbegriff, sondern eine gesellschaftliche Großbaustelle. Romantisch, düster, wütend und verletzlich zugleich. Ein Album für alle, die schon einmal geliebt haben und anschließend feststellen mussten, dass die Sache leider komplizierter ist als gedacht.
Liebe ist eben kein Hobby und deshalb braucht sie ein ganzes Album.
Text: Pressemitteilung
Erzählt von uns: