Jazz kann auch ohne Rotwein funktionieren! Simone Kopmajer und Viktor Gernot beweisen es!


Es gibt Alben, die legen sich dezent in den Hintergrund. You Wonderful You gehört nicht dazu. Simone Kopmajer und Viktor Gernot liefern eine Platte ab, die vom ersten Ton an zeigt, dass hier zwei Menschen singen, die einander zuhören. Das klingt selbstverständlich, ist es aber längst nicht mehr.

Wer beim Begriff „Vocal Jazz“ sofort an verstaubte Hotelbars und gedimmtes Licht denkt, darf seine Vorurteile gerne für knapp 50 Minuten in der Garderobe lassen. Zwischen Swing, Great American Songbook und einer Prise Pop entsteht hier ein musikalischer Dialog, der ebenso elegant wie entspannt wirkt. Nichts ist übertrieben, nichts will mit Gewalt beeindrucken – und genau deshalb funktioniert es so gut.

Simone Kopmajer gehört seit Jahren zu den spannendsten Jazzstimmen Österreichs. Ihre Stimme besitzt diese angenehme Mischung aus technischer Souveränität und Leichtigkeit, bei der man fast vergisst, wie schwer es eigentlich ist, so mühelos zu klingen. Viktor Gernot kennt man zwar vor allem als Entertainer und Schauspieler, doch sein warmer Bariton beweist eindrucksvoll, dass er auch ohne Pointen bestens unterhalten kann. Gemeinsam ergänzen sich beide hervorragend: Hier trifft nicht Diva auf Sidekick, sondern zwei gleichberechtigte Stimmen begegnen sich auf Augenhöhe.

Das Konzept Strictly Duets könnte einfacher kaum sein: zwei Stimmen, eine Band und möglichst wenig Schnickschnack. Live im Studio aufgenommen, lebt das Album von kleinen Blicken, spontanen Reaktionen und dem Mut, die Musik atmen zu lassen. Genau das macht den Reiz aus.

Natürlich dürfen Klassiker wie Come Fly with Me oder Take Five nicht fehlen. Überraschender sind allerdings die weniger bekannten Stücke und Eigenkompositionen, die sich ganz selbstverständlich zwischen den Jazz-Standards einreihen. Das wirkt nie wie Pflichtprogramm, sondern wie eine Playlist, die zwei Menschen für einen gelungenen Abend zusammengestellt haben.

You Wonderful You ist keine Revolution des Jazz. Es will das Genre auch gar nicht neu erfinden. Stattdessen erinnert das Album daran, dass gute Songs, starke Stimmen und gegenseitiger Respekt oft völlig ausreichen. Manchmal ist weniger eben doch deutlich mehr.

Fazit: Ein stilvolles Duett-Album voller Charme, musikalischer Klasse und entspannter Eleganz. Jazz für Kenner – und für alle, die bisher dachten, Jazz sei eine ziemlich ernste Angelegenheit.

Text: Dennis Kresse

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