Indie für lange Busfahrten und laute Gedanken: „Das alles hier ist Liebe“

Patrick Scheuermann alias Die weiteren Aussichten meldet sich mit seiner neuen EP Das alles hier ist Liebe zurück – und die hat deutlich mehr Kante als der selbstproduzierte Vorgänger Heiter bis wolkig (2024). Wo damals noch intime Singer-Songwriter-Vibes dominierten, drehen jetzt die Gitarren auf: rau, druckvoll und emotional bis in die letzte Faser.

Musikalisch bewegt sich die EP irgendwo zwischen Libertines-Schärfe, Frightened Rabbit-Dringlichkeit und der bittersüßen Indie-Melancholie von Kettcar oder Tomte – nur um im nächsten Moment mit der Energie von We Were Promised Jetpacks nach vorne zu preschen. Das Ergebnis ist ein Sound, der gleichzeitig verletzlich und entschlossen wirkt – Indie-Rock mit Herz, Haltung und ordentlich Druck auf den Saiten.

Inhaltlich kreisen die sechs Songs um die vielen Gesichter von Liebe: toxische Dynamiken, platonische Verbindungen, Verlust, Tod – und natürlich die manchmal fast romantisierte Liebe zur Musik selbst. Gemeinsam mit Produzent Dennis Borger (u.a. Power Plush, BETTEROV) entstanden die Stücke über ein halbes Jahr hinweg und zeigen eine Bandbreite zwischen ehrlicher Emotionalität und einem feinen Gespür für Humor.

„Wer früher auch immer mit Kopfhörern auf den Ohren im Bus nach Hause gefahren ist, der wird diese Songs verstehen“, sagt Scheuermann selbst – und trifft damit ziemlich genau den Nerv dieser EP: melancholisch, intensiv und gleichzeitig erstaunlich nahbar.

Fazit: Das alles hier ist Liebe ist keine Indie-Platte für nebenbei, sondern ein Soundtrack für lange Wege nach Hause, zu laute Gedanken und diese ganz speziellen Momente zwischen Euphorie und Selbstzweifel. Reinhören lohnt sich.

Text: Dennis Kresse

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