Habe die Ehre!

LaBrassBanda – Polka Party im Carlswerk Victoria, Köln

Wenn LaBrassBanda in Köln Station machen, ist Ausnahmezustand programmiert. Im gut gefüllten Carlswerk Victoria präsentierte die Band ihr aktuelles Album „Polka Party“ und zeigte eindrucksvoll, warum sie seit fast zwei Jahrzehnten als Speerspitze einer neuen, clubtauglichen Blasmusik gelten.

Von Bayern in die Republik – und darüber hinaus

Was 2007 als musikalischer Befreiungsschlag gegen traditionelle Blasmusik-Konventionen begann, hat sich längst zur internationalen Erfolgsgeschichte entwickelt. Spätestens seit dem Auftritt beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 sind LaBrassBanda bundesweit bekannt. Festivalbühnen wie Hurricane oder Southside gehören inzwischen ebenso selbstverständlich zur Bandbiografie wie ausverkaufte Hallentourneen.

Frontmann Stefan Dettl – wie gewohnt barfuß – führte das Kölner Publikum souverän durch ein Set, das Altes und Neues klug verzahnte.

Hitdichte und Haltung

Früh wurde klar, dass der Abend keine Anlaufphase benötigt. Songs von „Habediehre“ oder Übersee“ brachte das Carlswerk kollektiv in Bewegung,

Musikalische Präzision trifft Eskalation

Live überzeugen LaBrassBanda nicht nur durch Energie, sondern auch durch technische Klasse. Die allesamt studierten Musiker spielen auf hohem Niveau, wechseln mühelos zwischen Polka-Anleihen, Ska-Offbeats, technoiden Bassläufen und punkiger Direktheit.

Dass die Band ihr 2014 erschienenes Album „Kiah Royal“ einst in einem Kuhstall einspielte, passt zur selbstironischen Bodenständigkeit – im Carlswerk wirkte davon jedoch nichts improvisiert. Hier greift jedes Rädchen ineinander. Aber das gekonnt und ohne Netz und doppelten Boden.

„Polka Party“ als Konzept

Das neue Album „Polka Party“ – visuell gestaltet vom Künstler Tobias Rehberger – steht programmatisch für das, was LaBrassBanda ausmacht: Tradition als Ausgangspunkt, nicht als Grenze. Die neuen Songs setzen stärker auf Club-Einflüsse, ohne die Wurzeln zu verleugnen.

LaBrassBanda liefern in Köln eine Show ohne Längen, mit klarer Haltung und enormer Spielfreude. Das Carlswerk Victoria wird zur Tanzfläche, Sprachbarrieren spielen keine Rolle, und selbst Skeptiker dürften anerkennen: Diese Band hat die Blasmusik nicht nur modernisiert, sondern ihr ein internationales Format gegeben. Blasmusik ist der neue Punk!

Die „Polka Party“-Tour 2026 verspricht weitere Abende dieser Kategorie – Köln hat schon einmal lautstark vorgelegt. Habe die Ehre.

Text: Dennis Kresse

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