Good Times in Bonn – warum Disco niemals sterben wird!

Nile Rodgers & CHIC, Kid Creole & The Coconuts, Boogie Wonderstars – Kunst!Rasen Bonn

Disco hatte lange ein Imageproblem. Zu geschniegelt, zu bunt, zu viel Glitzer. Dabei gibt es kaum eine Musikrichtung, die Menschen schneller miteinander verbindet. Niemand diskutiert auf der Tanzfläche über Rhythmus. Man tanzt einfach.

Genau das bewies der Kunst!Rasen an diesem Sommerabend eindrucksvoll.

Den Auftakt übernahm die Boogie Wonderstars, die kurzfristig für Mothers Finest eingesprungen war. Ein schwieriger Job? Vielleicht. Gemerkt hat man davon allerdings nichts. Mit einer mitreißenden Hommage an Earth, Wind & Fire verflog jeder Gedanke an Ersatzprogramm schneller, als die ersten Besucher ihre Getränke austrinken konnten. „September“, „Boogie Wonderland“ und Co. verwandelten den Kunst!Rasen schon früh in eine einzige große Tanzfläche.

Danach gehörte die Bühne Kid Creole & The Coconuts. Wer den mittlerweile 74-jährigen August Darnell kennt, weiß, dass ein Konzert bei ihm nie nur ein Konzert ist. Es ist eine Zeitreise in eine Welt aus Anzügen, Hüten, karibischen Rhythmen und einer gehörigen Portion Understatement. Mit Klassikern wie „Stool Pigeon“ oder „Annie, I’m Not Your Daddy“ zelebrierte er den charmanten Dandy, der Pop nie allzu ernst nimmt und gerade deshalb so viel Spaß macht. Seine Coconuts sorgten dabei nicht nur optisch für echtes Karibik-Flair.

Doch der eigentliche Grund, warum viele gekommen waren, betrat erst danach die Bühne.

Man kann Nile Rodgers kaum gerecht werden, indem man ihn einfach Gitarrist nennt. Er ist vielmehr einer der Architekten moderner Popmusik. Mit CHIC schrieb er Disco-Geschichte, produzierte Alben für David Bowie, Madonna, Diana Ross, Daft Punk und unzählige weitere Künstler. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass jeder Besucher an diesem Abend mindestens einen Song kannte, ohne zu wissen, dass Nile Rodgers seine Finger im Spiel hatte.

Und genau darin liegt seine Größe.

Rodgers muss niemandem mehr beweisen, was für ein Gitarrist er ist. Seine Songs übernehmen das seit fast fünf Jahrzehnten.

Schon nach den ersten Takten wurde klar, dass dies kein nostalgischer Oldie-Abend werden würde. Rodgers und seine hervorragend aufgelegte Band spielten sich mit einer Leichtigkeit durch Welthits wie „Le Freak“, „Everybody Dance“, „I Want Your Love“, „We Are Family“, „Lost In Music“, „Thinking Of You“, „Get Lucky“ oder natürlich das unvermeidliche „Good Times“, als wären sie gestern erst geschrieben worden.

Dabei wirkte nichts geschniegelt oder routiniert. Rodgers stand mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und schien selbst mindestens genauso viel Freude an diesem Abend zu haben wie das Publikum. Genau das übertrug sich auf den Kunst!Rasen. Zwischen der Bühne und den Besuchern entwickelte sich eine Energie, die man nicht planen kann.

Besonders beeindruckend war dabei, wie zeitlos diese Musik geblieben ist. Vor der Bühne tanzten Menschen, die CHIC noch aus den Siebzigern kennen, genauso selbstverständlich neben Besuchern, die Nile Rodgers vermutlich zuerst durch „Get Lucky“ von Daft Punk entdeckt haben. Gute Songs kennen eben kein Ablaufdatum.

Natürlich durfte zum Abschluss „Good Times“ nicht fehlen. Viel passender hätte dieser Abend kaum enden können. Während der letzte Refrain über das Gelände schallte, wurde deutlich, warum Nile Rodgers bis heute zu den einflussreichsten Musikern der Popgeschichte zählt. Seine Musik funktioniert nicht, weil sie nostalgisch ist. Sie funktioniert, weil sie glücklich macht.

Und manchmal ist das genau das, was ein Konzert leisten muss.

Setlist – Nile Rodgers & CHIC

Kunst!Rasen Bonn – 08.07.2026

Le Freak
Everybody Dance
Dance, Dance, Dance (Yowsah, Yowsah, Yowsah)
I Want Your Love
I’m Coming Out
Upside Down
He´s the Greatest Dancer
We Are Family
Like a Virgin
Material Girl
Modern Love
Lost in Music
Notorious
Lady (Hear Me Tonight) / Soup for One
CHIC Cheer (Outro)
Dress you up
China Girl
Thinking of You
Cuff It
Get Lucky
Lose Yourself to Dance
Let’s Dance
Good Times/Rapper´s Delight

Text: Dennis Kresse
Credits: Harald Rötter

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