Es gab eine Zeit, da war Rock’n’Roll mehr als Musik. Er war Aufbruch, Rebellion und das Versprechen, dass die Welt hinter der nächsten Gitarrenwand vielleicht ein bisschen aufregender aussieht. Dave Clark wusste das. Und er hatte nicht vor, sich mit einem gewöhnlichen Schlagzeug-Gitarren-Bass-Gemisch zufriedenzugeben. Mit den Dave Clark Five wollte er einen Sound, der ordentlich Druck machte. Das Ergebnis: eine Band, die den Beatles die Spitzenposition streitig machte und Amerika gleich mit eroberte. Mit **„Glad All Over The World – The Hits & Albums (1964–1965)“** gibt es jetzt die geballte Ladung DC5 auf fünf CDs.
Die Box versammelt fünf Alben aus der frühen Hochphase der Band: „Glad All Over“, „The Dave Clark Five Return!“, „American Tour“, „Coast to Coast“ und „Weekend in London“. Das ist nicht einfach nur eine nostalgische Zeitreise in eine Ära, in der Frisuren noch nach Haarspray schrien und Verstärker gern eine Nummer größer sein durften. Hier lässt sich nachhören, wie eine britische Band ihren ganz eigenen Platz in der Popgeschichte eroberte.
Der Schlüssel zum Erfolg lag in der Mischung. Dave Clark am Schlagzeug, Mike Smith mit Gesang und Keyboard, Lenny Davidson an der Gitarre, Rick Huxley am Bass und Denis Payton am Saxophon: Diese Besetzung brachte eine zusätzliche Portion Wucht ins Spiel. Clark liebte den New-Orleans-Sound von Fats Domino und wollte genau diese Tiefe in der Musik. Das Saxophon durfte also ordentlich röhren, während das Schlagzeug nicht bloß den Takt vorgab, sondern gleich die Tür eintrat. Dazu kamen Songs, die keine Gebrauchsanweisung brauchten, um im Ohr hängen zu bleiben.
Das beste Beispiel ist natürlich „Glad All Over“. Dave Clark und Mike Smith sollen weniger als eine Stunde gebraucht haben, um den Hit zu schreiben. Das Ergebnis verdrängte die Beatles von Platz eins der britischen Charts und entwickelte sich zum Millionenseller. Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Song, schnell zusammengeschraubt, mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen versehen – und plötzlich steht die Popwelt Kopf. Clark konnte keine Noten lesen, wusste aber genau, wann etwas richtig klang. Manchmal ist musikalischer Instinkt eben die bessere Ausbildung.
Auch in den USA ging die Rechnung auf. Die Dave Clark Five gehörten zu den Vorreitern der British Invasion, landeten innerhalb von zwei Jahren fünfzehn Top-20-Hits in Folge und traten 18-mal in der legendären „Ed Sullivan Show“ auf. Während andere Bands noch von Amerika träumten, hatten die fünf Londoner längst ihren Fuß in der Tür.
Natürlich ist diese Box vor allem etwas für Fans und Sammler, die den Sound der Sixties lieben. Wer nach radikalen neuen Erkenntnissen über die Band sucht, sollte keine musikalische Mondlandung erwarten. Der Reiz liegt vielmehr darin, fünf Alben aus einer entscheidenden Phase gebündelt zu erleben und die Entwicklung einer Band nachzuvollziehen, die im Schatten der Beatles oft unterschätzt wird.
„Glad All Over The World“ erinnert daran, dass Popgeschichte nicht nur von den ganz großen Namen geschrieben wird. Manchmal reichen fünf Musiker, ein Saxophon mit ordentlich Dampf und ein Song, der sofort zündet. Die Dave Clark Five hatten genau das. Und wer bei dieser Sammlung nicht wenigstens mit dem Fuß wippt, hat vermutlich seinen inneren Rock’n’Roll schon vor Jahren in Rente geschickt.
Text: Dennis Kresse