Gut gefüllt ist das Palladium bereits als der Support Leila beginnt. Leila (bürgerlich Leila Šurković, geboren 2001 in Bern) ist eine Schweizer Musikerin und Sängerin, die bei Herbert Grönemeyers Label Grönland Records unter Vertrag steht. Zusammen mit zwei Mitstreiterinnen spielt sie in klassischer Besetzung (Bass, Gitarre, Schlagzeug) einen Mix aus Rock, Alternative Rock mit Spuren von Punk. Laut, protestierend, auf sich aufmerksam machend thematisiert sie Queerness aber auch Probleme mit dem Erwachsenwerden. Schön, dass immer mehr Frauen den Weg auf die Bühne finden.
Giant Rooks legen nach einer kurzen Umbaupause los und spielen den Opener „The Better Life“ noch hinter einem weißen, leicht durchsichtigen Vorhang, der beim zweiten Refrain hinabgelassen wird. Der Sound ist von Anfang an gut und die Stimmung auch.
Frontmann Frederik Rabe ist ab der ersten Sekunde überall: Er fegt über die Bühne,dirigiert das Publikum mit weit aufgerissenen Armen und wechselt mühelos zwischen Gitarre, Percussion und dem Mikrofonständer. Seine markante, leicht angeraute Stimme trägt mühelos bis auf die hintersten Ränge der Empore, während Schlagzeuger Finn Thomas und Bassist Luca Göttner den Rhythmus vorgeben Spätestens beim treibenden „Heat Up“ und dem darauffolgenden „Bright Lies“ gibt es im Innenraum kein Halten mehr. Was Giant Rooks live so außergewöhnlich macht, ist
ihre Fähigkeit, melancholische Indie-Texte wie hymnische Stadion-Arrangements zu verpacken. Beim ersten Mal Hören, dachte ich damals deswegen auch an die Anfänge von Coldplay.
Nach den ersten tanzbaren Songs nehmen die fünf Jungs geschickt das Tempo heraus und bahnen sich ihren Weg mitten durch die Menge zur B-Stage. Plötzlich schrumpft das riesige Palladium auf Wohnzimmergröße zusammen. Dicht gedrängt stehen die Musiker beieinander und spielen „What I Know Is All Quicksand“ und „Parachute“ in akustischen Versionen. In der Halle, in der eben noch ekstatisch gesprungen wurde,ist es mit einem Mal so still, dass man das Summen der Lüftung hört.
Zurück auf der Hauptbühne drehen Giant Rooks die Regler wieder voll auf. Über „Want It Back“ sowie „Fight Club“ steuert der Abend auf seinen vorläufigen Höhepunkt zu: „Morning Blue“. Die Band zelebriert den Song inklusive eines ausgedehnten, funkigen Disco-Outros unter Stroboskopgewitter. Und mit der Mitsing Hymne „Somebody Like You“ verabschieden sich die Musiker schließlich erstmals von der Bühne.
Natürlich lässt Köln Giant Rooks nicht ohne Zugabe ziehen. Für „The Big Night Out“ versammeln sich alle fünf noch einmal ganz vorne am Bühnenrand um ein einziges Mikrofon und sorgen für ein Gänsehautmoment. Giant Rooks zeigen in rund zweiStunden, dass sie sich vor keiner anderen Band – auch nicht aus dem Ausland – verstecken müssen. Im Gegenteil: Sie beherrschen alle Tricks, um das Publikum fürsich zu gewinnen.
Sie mixen gekonnt flotte und ruhige Songs, zeigen sich auf der Bühne nahbar und demütig. Und vereinen Geschlechter und Altersgruppen miteinander. Und ihr Sound klingt wie aus den USA oder Großbritannien. Dabei sind sie aus Hamm.
Setlist Giant Rooks:
The Better Life
Blood on the Dashboard
Heat Up
Bright Lies
Bedroom Exile
100 mg
Slow Dance (for a Minute)
New Estate
What I Know Is All Quicksand
Parachute
Want It Back
Pink Skies
Fight Club
Morning Blue
The Waves
Somebody Like You
The Big Night Out
Wild Stare
Watershed
Text: Jan Rombout
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