Man muss es so sagen: Diese „Legendary Edition“ ist weniger ein Reissue als ein kontrollierter Vulkanausbruch aus dem Maschinenraum von Aerosmith.
Das selbstbetitelte Debüt von 1973 war nie geschniegelt – es war schmutzig, hungrig, leicht neben der Spur. Genau das machte Songs wie „Dream On“ oder „Mama Kin“ so langlebig. Jetzt wird dieses Fundament nicht einfach poliert, sondern neu aufgebut.. Der neue Mix legt Schichten frei, die man bislang eher erahnt hat: Gitarren, die mehr knirschen als glänzen, ein Gesang von Steven Tyler, der weniger Pathos und mehr Straße atmet.
Das Spannende: Diese Edition versucht gar nicht erst, die Geschichte umzuschreiben. Sie zeigt vielmehr, wie roh und unfertig Größe am Anfang klingen darf. Gerade die Live-Aufnahmen aus Paul’s Mall oder die Studio-Fragmente wirken wie Blicke durchs Schlüsselloch – nicht immer perfekt, aber genau deshalb relevant.
Natürlich ist das Ganze auch ein Sammlertraum: mehrere Vinyl-Varianten, Boxsets, Bonusmaterial en masse. Aber im Kern funktioniert „Aerosmith (Legendary Edition)“ dann am besten, wenn man den ganzen Deluxe-Zirkus kurz ausblendet und einfach zuhört. Dann merkt man schnell: Diese Band war nie „classic rock“ – sie wurde erst dazu gemacht.
Fazit: Keine nostalgische Verklärung, sondern ein ziemlich lauter Reminder daran, wie gefährlich Rock’n’Roll mal war. Und dass er es – zumindest hier – immer noch sein kann.
Text: Dennis Kresse
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