Die 90er sind zurück. Mal wieder. Und während sich andere dabei mit Karomuster, alten Videospielkonsolen oder dem nächsten Grunge-Revival begnügen, machen Daily Thompson das deutlich sinnvoller: Sie nehmen die Gitarrenmusik dieser Dekade auseinander, schütteln sie kräftig durch und kleben die Einzelteile auf „Glue“ wieder zusammen.
Der Albumtitel ist dabei erstaunlich passend. Denn Daily Thompson verbinden Alternative, Noise, Grunge und Indie zu einem Sound, der durchaus nach Seattle riecht, aber keineswegs dort stehen bleibt. New York darf ebenfalls mitspielen, gelegentlich wird es laut, dann wieder erstaunlich entspannt. „BTK“ zeigt das bereits eindrucksvoll: sieben Minuten charmant unterkühlter Gitarrenrock, der sich Zeit lässt und trotzdem nie langweilig wird.
Besonders spannend ist der Wechsel zwischen den beiden Leadvocals. Dadurch bekommt „Glue“ eine zusätzliche Farbe und verhindert, dass sich die Songs zu sehr in einer einzigen Klangwelt festbeißen. Mal dreckig, mal melodisch, mal beinahe verträumt – und dann kommt wieder eine Gitarre um die Ecke, die offenbar beschlossen hat, jetzt doch noch ein bisschen Lärm zu machen.
Daily Thompson verstehen es, die 90er nicht einfach nachzuspielen. Sie erinnern an eine Zeit, in der alternative Gitarrenmusik tatsächlich noch den Eindruck vermittelte, dass irgendwo eine neue Grenze eingerissen werden könnte. „Glue“ klingt entsprechend weniger nach Nostalgie und mehr nach einer Band, die weiß, warum sie diese Einflüsse heute noch braucht.
Und ja, „Glue“ klebt. Allerdings nicht unangenehm. Eher so, dass man nach dem ersten Durchlauf feststellt, dass einige Songs schon ziemlich hartnäckig im Kopf hängen geblieben sind.
Für Freunde von Gitarren, die auch mal schmutzig werden dürfen, ist „Glue“ damit ein ziemlich guter Klebstoff.
Text: Dennis Kresse
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