Creature of Habit – Courtney Barnett dreht sich im Kreis (und trifft trotzdem ins Herz)

Mit Creatures of Habit macht Courtney Barnett genau das, was sie am besten kann: aus Alltäglichem große Momente formen. Und gleichzeitig genau das, was man ihr gelegentlich vorwerfen kann – sie bleibt dabei sehr in ihrem eigenen Kosmos.

Musikalisch bewegt sich Barnett erneut zwischen lakonischem Indie-Rock, entspannten Gitarrenriffs und dieser leicht schlurfenden Nonchalance, die längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Nichts wirkt überproduziert, vieles eher hingeworfen – und genau darin liegt der Charme. Songs entstehen scheinbar nebenbei, entwickeln sich aus Beobachtungen, Gedankenfetzen, kleinen Geschichten.

Textlich bleibt sie die scharfe Beobachterin des Alltags. Zwischen Selbstzweifeln, ironischen Brechungen und trockenem Humor entfaltet sich eine Welt, die gleichzeitig banal und tiefgründig ist. Es geht um Routinen, mentale Schleifen, das Gefühl, festzustecken – und genau das spiegelt auch der Albumtitel ziemlich treffend wider.

Allerdings: Überraschungen sind rar. Wer Barnetts vorherige Arbeiten kennt, wird sich hier schnell zurechtfinden – vielleicht sogar ein bisschen zu schnell. Vieles klingt vertraut, manches fast wie eine Variation bereits gehörter Ideen. Das ist nie schlecht, aber eben auch selten wirklich zwingend.

Und doch hat dieses Album etwas, das hängen bleibt. Vielleicht ist es gerade diese Unaufgeregtheit, dieses bewusste Verweigern von großen Gesten. Barnett drängt sich nicht auf – sie bleibt einfach da. Und mit ihr diese kleinen, stillen Momente, die sich erst später entfalten.

„Creatures of Habit“ ist kein lautes Statement, sondern ein leises Kreisen um sich selbst. Courtney Barnett liefert genau das, was man von ihr erwartet – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Manchmal reicht das völlig aus und bei dem Talent der Australierin ist gut, eben über dem gut von anderen.

Wer Lust hat, der kann sich die Sängerin auch mal wieder in Deutschland ansehen.

05.10.2026 Berlin – Huxleys Neue Welt
06.10.2026 Köln – Bürgerhaus Stollwerck

Text: Dennis Kresse

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather