Bonn called it Madness! Madness, Lottery Winners & The Slapstickers – 09.07.2026, Kunst!Rasen Bonn

Manche Konzerte beginnen um 20:00 Uhr. Madness begann bereits beim Einlass. Irgendwo zwischen Pork Pie Hat, karierten Hemden und der Erkenntnis, dass Ska offenbar keine Altersgrenze kennt.

Es gibt Bands, die altern in Würde. Und dann gibt es Madness.

Die altern zwar auch – weigern sich aber hartnäckig, sich entsprechend zu benehmen.

Schon beim Opener „One Step Beyond“ gab es auf dem Bonner Kunst!Rasen kein Halten mehr. Wer geglaubt hatte, Ska sei eine nostalgische Angelegenheit für Menschen, die ihre Fred-Perry-Hemden seit den Achtzigern im Schrank aufbewahren, wurde eines Besseren belehrt. Madness lieferten keine Geschichtsstunde ab – sie veranstalteten eine riesige Gartenparty. Und Bonn war eingeladen.

Den Anfang machten The Slapstickers. Drei Jahrzehnte Bandgeschichte liegen inzwischen hinter der deutschen Ska-Institution, doch von Altersmilde keine Spur. Mit Songs ihres aktuellen Albums „Silverback“ und jeder Menge Offbeat bewiesen sie eindrucksvoll, warum sie seit Jahren zu den festen Größen der europäischen Ska-Szene gehören. Wer Madness schon einmal supporten durfte, weiß schließlich ziemlich genau, wie man ein Publikum auf Betriebstemperatur bringt.

Anschließend übernahmen die Lottery Winners. Die sympathischen Briten aus Leigh präsentierten Indie-Pop mit einer ordentlichen Portion britischem Humor und machten schnell klar, warum sie sich in ihrer Heimat längst vom Geheimtipp zur Festivalgröße entwickelt haben. Locker, charmant und mit sichtbarer Spielfreude verkürzten sie die Wartezeit auf die Hauptattraktion.

Dann wurde es… nun ja… Madness.

Es gibt Bands, bei denen man nach jedem Song auf den nächsten Hit wartet. Bei Madness wartet man höchstens darauf, welcher Hit als Nächstes kommt.

„Embarrassment“, „My Girl“, „Grey Day“, „House Of Fun“, „Baggy Trousers“, „Our House“ – es war eine musikalische Zeitreise durch über vier Jahrzehnte britischer Popgeschichte, ohne jemals nach Nostalgieveranstaltung zu klingen. Die „Elderly Men of Ska“, wie man sie augenzwinkernd nennen könnte, wirkten erstaunlich frisch und hatten sichtbar genauso viel Spaß wie das Publikum.

Dabei ist genau das vielleicht das größte Geheimnis von Madness. Ihre Musik nimmt sich nie wichtiger als nötig. Sie ist klug, manchmal melancholisch, oft schräg und fast immer mit einem Augenzwinkern versehen. Genau deshalb funktioniert sie auch heute noch.

Besonders bei „Baggy Trousers“ und „Our House“ verwandelte sich der Kunst!Rasen endgültig in einen riesigen Chor. Plötzlich sangen Tausende die Refrains, tanzten dieselben Schritte und vergaßen für 100 Minuten mal eben alles, was außerhalb des Geländes gerade wichtig erschien.

Den emotionalen Schlusspunkt setzte „It Must Be Love“, bevor Madness mit „Madness“ und dem unvermeidlichen „Night Boat To Cairo“ noch einmal sämtliche Energiereserven mobilisierten. Dass zum Abschluss sogar „Always Look On The Bright Side Of Life“ erklang, passte perfekt zu einem Abend, an dem schlechte Laune schlicht Hausverbot hatte.

Madness haben an diesem Abend eindrucksvoll bewiesen, dass Ska nicht alt geworden ist.

Nur seine Musiker.

Und selbst die scheinen das bislang erfolgreich zu ignorieren.

Setlist Madness. Kunst!Rasen Bonnn

One Step Beyond
Embarrassment
NW5
My Girl
The Sun and the Rain
Return of the Los Palmas 7
Wings of a Dove
Lovestruck
Grey Day
Bed and Breakfast Man
Shut Up
Mr. Apples
House of Fun
Baggy Trousers
Our House
It Must Be Love
Encore:
Madness
Night Boat to Cairo
Always look on the bright side of life

Text: Dennis Kresse
Credits: Harald Rötter

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather