Beton, Bass und Identität – CARIA machen auf „Mädchen wie ich“ aus Zerrissenheit einen Soundtrack!

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Manchmal klingt ein Debütalbum so, als hätte eine Band erstmal ihren Stil gesucht. Mädchen wie ich von CARIA klingt dagegen, als hätte hier jemand beschlossen, sich lieber gar nicht erst in bestehende Schubladen pressen zu lassen.

Das Rostocker Projekt um Sängerin Carina Castillo und Produzent Philipp Krätzer verbindet Urban Pop, elektronische Beats, lateinamerikanische Energie und osteuropäische Melancholie zu einem Sound, der gleichzeitig tanzbar, sperrig, modern und erstaunlich persönlich wirkt. Irgendwo zwischen Deichkind, Nina Chuba und Peter Fox – aber eben ohne wie eine bloße Kopie dieser Referenzen zu klingen.

Schon nach wenigen Songs wird klar: „Mädchen wie ich“ will kein glattpoliertes Streaming-Produkt sein. Die Beats pumpen, Synths flackern durch die Tracks, plötzlich brechen Rhythmen weg, Stimmungen kippen, Melodien laufen bewusst gegen Erwartungshaltungen. Genau diese kontrollierte Unruhe macht das Album spannend.

Besonders stark funktioniert dabei der Titelsong „Mädchen wie ich“. Was zunächst wie moderner deutschsprachiger Electro-Pop klingt, entwickelt sich schnell zu einem sehr persönlichen Stück über kulturelle Zerrissenheit, Fremdsein und Identität. Wenn Carina Castillo singt „Mädchen wie ich passen hier nicht rein“, wirkt das nie kalkuliert betroffen, sondern unangenehm ehrlich. Gerade dadurch trifft der Song.

Überhaupt liegt die große Stärke des Albums darin, dass CARIA Haltung nicht mit erhobenem Zeigefinger verwechseln. „Boss Avatar“ rechnet bissig mit Oberflächlichkeiten und männlich geprägten Kunstbildern ab, während „Zombie“ ziemlich präzise den digitalen Erschöpfungszustand einer Gesellschaft beschreibt, die sich zwischen Scrollen, Reizüberflutung und Dauerablenkung selbst verliert.

Dazwischen öffnen sich aber immer wieder überraschend atmosphärische Räume. „Himmel“ etwa zeigt eine fast verträumte Synth-Wave-Seite der Band und beweist, dass CARIA nicht permanent auf maximale Wucht setzen müssen, um intensiv zu wirken.

Musikalisch beeindruckt vor allem, wie organisch unterschiedlichste Einflüsse ineinandergreifen. Lateinamerikanische Rhythmen treffen auf urbane Elektronik, Pop auf Indie-Kanten, Clubästhetik auf emotionale Direktheit. Statt beliebiger Genre-Collage entsteht daraus tatsächlich eine eigene Handschrift.

Und vielleicht ist genau das der größte Pluspunkt dieses Albums: „Mädchen wie ich“ klingt nicht wie Musik, die unbedingt gefallen will. Sondern wie Musik von Menschen, die etwas erzählen müssen. In einer Zeit, in der vieles auf maximale Austauschbarkeit optimiert wird, wirkt das fast schon rebellisch.

CARIA liefern mit ihrem Debüt deshalb nicht einfach nur ein modernes Popalbum ab, sondern ein überraschend mutiges Statement zwischen Identitätssuche, gesellschaftlicher Reibung und der Sehnsucht, trotz allem einen eigenen Platz zu finden.

Text: Dennis Kresse

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