Manche Künstler altern in Würde. Andere bleiben einfach stabil. Ahne gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Kategorie. Und das ist als Kompliment gemeint.
Mit „Stabil im Bus“ feiert Ahne sein 30-jähriges Bühnenjubiläum – und liefert genau das, was man von ihm erwartet: ein Best-of, das sich anfühlt wie ein leicht chaotischer, aber verdammt unterhaltsamer Sonntagabend in einer Prenzlauer-Berg-Kneipe, irgendwo zwischen Bierglas, Weltschmerz und absurdem Gedankensprung.
Ahne macht nämlich genau das, was viele versuchen und die wenigsten können: scheinbar planlos drauflos erzählen – und dabei punktgenau ins Schwarze treffen. Seine Texte stolpern, schweifen ab, um plötzlich mit einem trockenen Punchline-Hammer wieder aufzuschlagen. Das wirkt improvisiert, ist aber ziemlich präzise gebaut.
Herzstück des Buches sind – natürlich – die legendären „Zwiegespräche mit Gott“. Hier begegnet uns kein allwissender Weltenlenker, sondern ein leicht genervter, manchmal überraschend alltagsnaher Gesprächspartner. Diese Dialoge sind das, was Ahne von vielen anderen Lesebühnenautor:innen unterscheidet: Zwischen Nonsens und Berliner Schnodder steckt immer wieder ein leiser philosophischer Kern. Und genau da wird’s interessant.
Überhaupt lebt „Stabil im Bus“ von dieser Mischung:
Berliner Mundart trifft auf popkulturelle Referenzen (ja, auch Taylor Swift schaut vorbei),
Alltagsbeobachtung kollidiert mit Absurdität,und irgendwo dazwischen tauchen Figuren wie Supermann oder die Familie Klutschke auf, als wären sie alte Bekannte aus der Stammkneipe.
Das Ganze hat Tempo, Witz und diese spezielle Berliner „Ist-mir-doch-egal-aber-irgendwie-auch-nicht“-Attitüde. Man lacht viel, manchmal unerwartet laut. Und dann gibt es Momente, in denen man kurz innehält, weil zwischen zwei Gags plötzlich ein Gedanke aufblitzt, der hängen bleibt.
Kritisch könnte man höchstens anmerken, dass sich das Buch stellenweise genau so anfühlt wie eine Lesebühne: nicht jeder Text zündet gleich stark, manches lebt mehr vom Vortrag als vom Papier. Aber selbst das gehört irgendwie dazu. Ahne ist kein Hochglanz-Literat – er ist ein Performer, der zufällig auch Bücher schreibt.
Unterm Strich ist „Stabil im Bus“ weniger ein klassisches Best-of als ein ziemlich ehrlicher Querschnitt durch zehn Jahre Ahne: schräg, warmherzig, manchmal albern, oft klug – und immer eigen.
Kein Werk für die Vitrine, sondern für den Küchentisch. Mit Bier. Und der leisen Ahnung, dass Gott vielleicht doch in der Choriner Straße wohnt.
Ahne bleibt stabil. Zum Glück.
Text: Dennis Kresse
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