Hollywood Vampires bringen Rock´n Roll -Feeling in die Kölner LANXESS arena
Es gibt Bands, bei denen die Namen auf dem Plakat schon fast größer sind als die Musik. Hollywood Vampires sind so ein Fall. Johnny Depp, Alice Cooper, Joe Perry – dazu Tommy Henriksen. Das liest sich weniger wie eine normale Bandbesetzung als wie der Versuch, möglichst viele Rock’n’Roll-Legenden in einen Satz zu packen.
Am Freitagabend in der Kölner LANXESS arena musste sich allerdings zeigen, ob hinter den großen Namen auch eine richtige Band steckt. Die Antwort fällt ziemlich eindeutig aus: ja.
Die Hollywood Vampires sind schließlich nicht angetreten, um neue musikalische Kontinente zu entdecken. Ihre Mission ist eine andere. Sie holen die großen Rockgeschichten der Vergangenheit auf die Bühne und erinnern an Freunde, Vorbilder und Weggefährten, die längst nicht mehr selbst dort stehen können. Der Name geht schließlich auf Alice Coopers legendären Trinkclub aus den 70ern zurück, in dem sich einst Rockgrößen wie John Lennon, Keith Moon und andere trafen. Die Band selbst entstand später mit dem erklärten Ziel, verstorbene Rock’n’Roll-Freunde wie Jimi Hendrix, Jim Morrison und John Bonham zu ehren.
Und so ist der Abend weniger eine klassische Konzertreise durch die eigene Diskografie als eine ziemlich wilde Zeitreise.

Alice Cooper muss dabei eigentlich niemandem mehr erklären, wie Rock’n’Roll funktioniert. Der Mann könnte vermutlich im Halbschlaf auf die Bühne gehen und wäre nach drei Sekunden wieder Alice Cooper. Joe Perry bringt den Aerosmith-Faktor mit, Tommy Henriksen sorgt für die nötige Gitarrenpower – und Johnny Depp?
Der steht tatsächlich nicht nur dekorativ herum.
Depp spielt Gitarre, liefert sich mit Perry und Henriksen die entsprechenden Gitarrenduelle und wirkt dabei erstaunlich selbstverständlich. Vielleicht ist genau das die sympathische Überraschung des Abends: Hier versucht niemand, Johnny Depp zum Rockstar zu erklären. Er spielt einfach mit. Und zwar ziemlich ordentlich.
Musikalisch geht es quer durch die Rockgeschichte. David Bowies „Heroes“, The Whos „Baba O’Riley“, Aerosmiths „Walk This Way“ und natürlich Alice Coopers „School’s Out“ gehören zu den großen Nummern im Repertoire. Dazu kommen Songs aus dem eigenen Hollywood-Vampires-Kosmos. Die Mischung funktioniert gerade deshalb, weil die Band nicht versucht, aus jedem Klassiker eine möglichst originalgetreue Kopie zu machen. Es darf gerockt, improvisiert und gelegentlich auch ordentlich am Lautstärkeregler gedreht werden.

Natürlich ist das Ganze ein bisschen großes Rock’n’Roll-Kino. Aber das darf es auch sein. Wer in einer Arena vor Tausenden Menschen mit Alice Cooper, Joe Perry und Johnny Depp auf der Bühne steht, muss sich schließlich nicht für Größe entschuldigen.
Und trotzdem sind es nicht unbedingt die großen Namen, die den Abend tragen. Es ist die Spielfreude. Diese Mischung aus Respekt vor den Originalen und dem offensichtlichen Spaß daran, die alten Geschichten noch einmal aufleben zu lassen.
Das Konzept der Hollywood Vampires ist mittlerweile mehr als zehn Jahre alt. Was 2015 zunächst wie ein ziemlich luxuriöses Rock’n’Roll-Projekt aussah, hat sich zu einer Band entwickelt, die ihre ganz eigene Nische gefunden hat. Nach dem Debüt „Hollywood Vampires“ und dem Album „Rise“ gehören inzwischen auch eigene Songs zum Programm. Trotzdem bleiben die Klassiker das Herzstück der Live-Shows.
In Köln funktioniert dieses Konzept erstaunlich gut.
Denn irgendwann ist es auch völlig egal, ob Johnny Depp gerade mehr Schauspieler oder Gitarrist ist, ob Alice Cooper zum gefühlt hundertsten Mal „School’s Out“ singt oder Joe Perry die nächste Gitarrenspur auspackt. Wenn eine ganze Arena bei den ersten Takten eines alten Songs kollektiv weiß, was gleich kommt, ist das eben auch ein Stück Rockgeschichte.
Hollywood Vampires sind deshalb keine nostalgische Coverband für Millionäre. Dafür spielen sie zu beherzt.
Sie sind eher eine ziemlich luxuriöse Erinnerung daran, warum Rock’n’Roll einmal so viel Spaß gemacht hat – und warum er das, wenn die richtigen Leute zusammenkommen, immer noch kann.
Und wer danach noch behauptet, Johnny Depp könne nur Captain Jack Sparrow, hat vermutlich einfach nicht genau genug hingesehen.
Text: Dennis Kresse
Credits: Günther Ewen