Foghat – „Live & Loud Across the U.S.A.“: Der Boogie hat noch lange nicht Feierabend

Manche Bands werden mit den Jahren zu lebenden Denkmälern ihrer eigenen Vergangenheit. Foghat gehören glücklicherweise nicht dazu. Mehr als 55 Jahre nach der Gründung rollen die britischen Rock-Veteranen noch immer mit ordentlich Schwung durch die Lande. Und wer glaubt, dass man im fortgeschrittenen Bandalter automatisch einen Gang zurückschalten muss, bekommt mit „Live & Loud Across the U.S.A.“ eine ziemlich deutliche Antwort. Der Boogie lebt – und er hat noch immer ordentlich Benzin im Tank.

Das Doppelalbum versammelt bislang unveröffentlichte Live-Aufnahmen der „Twang & Bang Tour 2026“, eingefangen in verschiedenen Städten der USA. Dass Foghat ihre größte Stärke auf der Bühne haben, ist spätestens seit dem legendären „Foghat Live“ aus den Siebzigern kein Geheimnis mehr. Auch diesmal geht es nicht um musikalische Altersvorsorge, sondern um handfesten Bluesrock, treibende Rhythmen und jene Mischung aus Spielfreude und Gitarrenpower, die den Sound der Band seit 1971 prägt. Hier wird nicht nostalgisch in alten Zeiten gebadet, sondern ordentlich weitergerockt.

Natürlich schwingt die große Geschichte mit. Mit „Fool for the City“ und dem Dauerbrenner „Slow Ride“ haben Foghat Musikgeschichte geschrieben. Doch die aktuelle Besetzung versteht sich nicht als reine Erbengemeinschaft. Neben Gründungsschlagzeuger Roger Earl stehen Bryan Bassett, Scott Holt und Rodney O’Quinn auf der Bühne. Besonders Scott Holt, der zuvor lange mit Blues-Legende Buddy Guy spielte, passt hervorragend zu den musikalischen Wurzeln der Band. Blues und Rock ’n’ Roll gehören bei Foghat schließlich zusammen wie Verstärker und Stromanschluss.

Eine zusätzliche Überraschung bietet die zweite CD mit „Shaken & Stirred“ von Earl & The Agitators. Das 2018 veröffentlichte Projekt mit der aktuellen Foghat-Besetzung widmet sich Blues, Roots-Rock und klassischer amerikanischer Musik. Eine sinnvolle Ergänzung, die den Blick über den eigentlichen Konzertmitschnitt hinaus erweitert.

Dass Foghat auch im Studio noch etwas zu sagen haben, bewies bereits „Sonic Mojo“ von 2023, das die Spitze der Billboard Blues/Rock-Charts erreichte und sich 34 Wochen in den Top Ten hielt.

„Live & Loud Across the U.S.A.“ ist ein überzeugendes Lebenszeichen einer Band, die ihre Fans nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet. Roger Earl bringt es auf den Punkt: Solange Publikum und Musiker Spaß an der Sache haben, wird weitergespielt. Und nach diesem Album darf man durchaus hoffen, dass der Boogie noch viele Meilen vor sich hat.

Text: Dennis Kresse