Pohlmann. legt mit „Beweggründe“ ein Album vor, das lieber ehrlich als glatt sein will
Es ist schon ziemlich genau 20 Jahre her, dass Pohlmann. mit „Wenn jetzt Sommer wär“ plötzlich in den Radiostationen der Republik auftauchte. Ein bisschen Jack Johnson, ein bisschen Lagerfeuer, ziemlich viel Sonne – und bei genauerem Hinhören bereits das, was Pohlmann. bis heute ausmacht: die Suche nach dem echten Leben hinter der schönen Fassade.
Nun ist wieder Sommer. Und Pohlmann. ist immer noch da. Nur ist aus dem Sunnyboy von damals längst ein Songwriter geworden, der sich mit den weniger sonnigen Dingen beschäftigt. „Beweggründe“ heißt sein neues Album und der Titel ist eigentlich schon eine ziemlich gute Gebrauchsanweisung für das, was hier passiert.
Denn Pohlmann. schaut hin. Auf Beziehungen, Familie, das Älterwerden, gesellschaftliche Widersprüche und die kleinen Katastrophen des Alltags. „So an Dich gewöhnt“ und „Komm jederzeit“ beschäftigen sich mit Familie, während „Endzeittouri“ die Sache mit einer ordentlichen Portion Humor betrachtet. „Anstecknadel“ schlägt die melancholischere Seite an, „Fallrückzieher auf Kopfsteinpflaster“ darf dagegen deutlich kräftiger und beinahe aggressiv daherkommen.
Und dann ist da „Karre of Love“. Ein Love-Song, der erfreulicherweise nicht versucht, besonders clever ein Love-Song zu sein. Stattdessen erzählt Pohlmann. eine Geschichte, die man beim Hören beinahe wie einen kleinen Film vor Augen hat. Ehrlich, direkt und mit dieser leicht verschrobenen Pohlmann.-Perspektive auf die Welt. Genau hier liegt seine Stärke: Er schreibt nicht über das Leben, um daraus möglichst große Sätze zu basteln. Er steckt mittendrin.
„Beweggründe“ ist deshalb kein Album, das sich auf den alten Sommerhit beruft und dann im Schatten von „Wenn jetzt Sommer wär“ ein gemütliches Plätzchen sucht. Dafür ist Pohlmann. inzwischen zu weit gekommen. Sechs Alben, zwei EPs, eine Kinderplatte und unzählige Konzerte später ist aus dem vermeintlichen Sunnyboy ein gereifter Beobachter geworden.
Bemerkenswert ist auch die Entstehungsgeschichte. „Beweggründe“ entstand komplett in Eigenregie. Nach Stationen bei großen Labels setzt Pohlmann. diesmal auf seine Fans – und die zeigen ziemlich eindrucksvoll, dass diese Beziehung funktioniert. Eine Crowdfunding-Kampagne war innerhalb kürzester Zeit erfolgreich und finanzierte nicht nur die Produktion, sondern auch die Vermarktung.
Dass Pohlmann. inzwischen auch von Kollegen auf große Bühnen geholt wird, passt da ziemlich gut ins Bild. Johannis Oerding gehört ebenso zu seinen Unterstützern wie Fury in the Slaughterhouse. Beim Bonner Kunst!Rasen stand Pohlmann. gerade als Support vor Fury auf der Bühne und bewies dabei einmal mehr, dass seine Songs auch ohne großes Besteck funktionieren.
Vielleicht ist das überhaupt das Schönste an „Beweggründe“: Pohlmann. muss niemandem mehr beweisen, dass er mehr kann als „Wenn jetzt Sommer wär“. Er macht einfach weiter. Mit offenen Augen, offenen Fragen und Songs, die nicht unbedingt Antworten liefern wollen.
Und wenn dabei am Ende doch wieder die Sonne scheint, soll es uns recht sein.
Pohlmann. live 2026
Sommertermine – Fury in the Slaughterhouse Support
29.08.2026 – Northeim, Waldbühne
„Beweggründe“-Tour 2026
01.10.2026 – Nürnberg, Club Stereo
02.10.2026 – München, Ampere
03.10.2026 – Würzburg, Jugendkulturhaus Cairo
04.10.2026 – Stuttgart, Im Wizemann Studio
23.10.2026 – Frankfurt, Brotfabrik
24.10.2026 – Bergneustadt, Karwinkel-Saal
28.10.2026 – Köln, Kulturkirche
29.10.2026 – Bochum, Bahnhof Langendreer
30.10.2026 – Braunschweig, KufA Haus
31.10.2026 – Worpswede, Music Hall Worpswede
11.11.2026 – Berlin, FRANNZ Club
12.11.2026 – Leipzig, Naumanns Tanzlokal
13.11.2026 – Münster, Gleis 22
18.11.2026 – Rostock, Helgas Stadtpalast
19.11.2026 – Flensburg, Kühlhaus
20.11.2026 – Hamburg, Fabrik
21.11.2026 – Lübeck, Rider´s Café
Text: Dennis Kresse
Erzählt von uns: