Als die Welt noch unterging – und Punk den passenden Soundtrack lieferte!

Punk wird 50. Und weil man einen solchen Geburtstag nicht mit einer gepflegten Torte und ein paar Kerzen feiern muss, erscheint mit „Barfuß in Scherben Ein Deutschpunk-Songcomic“ eine ziemlich passende Zeitreise zurück in eine Ära, in der die Welt tatsächlich schon wieder unterzugehen schien.

Der neue Band des Ventil Verlags nimmt sich der frühen deutschsprachigen Punkmusik an und macht aus Songs kleine Comicgeschichten. Das Prinzip ist ebenso simpel wie charmant: Zeichner:innen greifen einzelne Songs auf und übersetzen deren Texte in Bilder. Was bei Tocotronic, Fettes Brot oder den Fehlfarben bereits funktioniert hat, bekommt hier eine gehörige Portion Schwarzweiß und Fanzine-Ästhetik verpasst.

Und das passt. Denn Anfang der Achtziger war eben nicht alles Instagram-tauglich. Kalter Krieg, Atomangst, gesellschaftliche Verwerfungen und mittendrin Bands, die ihre Wut lieber in drei Akkorde und klare Worte packten. Die Comics fangen genau dieses Lebensgefühl ein, ohne daraus eine museale Punk-Ausstellung zu machen.

Das Cover von Daniel Richter setzt dabei ein schönes Ausrufezeichen. Noch spannender wird die Sache aber durch die musikalische Ergänzung: Zeitgleich erscheint bei Tapete Records der gleichnamige Sampler. Und der bringt den Comic zurück zu seinen Wurzeln – auf die Ohren. Mit Songs unter anderem von Fehlfarben, Slime und Hans-A-Plast wird aus der gezeichneten Zeitreise gleich ein kleines Gesamtkunstwerk.

„Barfuß in Scherben -Ein Deutschpunk-Songcomic“ ist deshalb mehr als ein hübsches Buch für Punk-Nostalgiker. Es zeigt, wie eng Musik, Haltung und visuelle Kultur schon damals miteinander verbunden waren. Und beweist nebenbei: Wenn die Welt schon untergeht, sollte wenigstens der Soundtrack stimmen.

Text: Dennis Kresse

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