*Einer für alle, Kaffee für Ben – dArtagnan über Dudelsäcke, Historien-Nerds und epische Montage**


Wer glaubt, Mittelalter-Rock bestehe nur aus Dudelsäcken, Met und Männern mit beeindruckenden Bärten, hat dArtagnan noch nicht richtig zugehört. Seit Jahren verbindet die Band Folk, Rock und historische Themen mit eingängigen Melodien und einer gehörigen Portion Spielfreude. Vor ihrem aktuellen Album haben wir mit Frontmann Ben gesprochen – über Lampenfieber, Marketing, spanische Fans und die Frage, warum ein Montag manchmal an eine mittelalterliche Schlacht erinnert.

**Soundchecker.koeln:** Euer Name lässt sofort an Mantel, Degen und die drei Musketiere denken. Wie oft habt ihr inzwischen die Frage beantwortet, ob wirklich „Einer für alle, alle für einen“ euer Bandmotto ist?

**Ben:** Die Frage kam schon öfter… Ich habe keine Ahnung wie oft genau, würde aber mal 42 schätzen. Viel interessanter finde ich, wie oft wir das Motto schon leben mussten, anstatt nur drüber zu reden. Darauf kommt es schließlich wirklich an. Situationen, in denen man gemeinsam anpacken muss, gibt es im Tourleben fast täglich.

 **Soundchecker.koeln:** Ihr bewegt euch seit Jahren zwischen Mittelalter-Rock, Folk und modernen Rock-Hymnen. Gibt es musikalische Grenzen oder gilt: Erlaubt ist, was Spaß macht?

**Ben:** Ich habe in den letzten Jahren gelernt, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu sein. Bei jeder künstlerischen Entscheidung muss ich zu hundert Prozent dahinterstehen. Was macht mir wirklich Spaß? Was kann ich auch in zwanzig Jahren noch mit Überzeugung auf der Bühne spielen? Das ist viel wichtiger als irgendwelche Genre-Begriffe.

 **Soundchecker.koeln:** Eure Songs laden zum Feiern ein, erzählen aber oft auch Geschichten. Was entsteht zuerst – die Melodie oder die Geschichte?

**Ben:** Ich starte immer mit einer Kernidee, bei der Musik und Text gut ineinandergreifen. Gerade bei deutschsprachiger Musik ist das enorm wichtig. Als Historien-Nerd reizen mich natürlich geschichtliche Themen besonders. Da kann man sich eben nicht einfach etwas ausdenken – Geschichte ist schließlich schon passiert. Die Herausforderung besteht darin, das musikalisch spannend umzusetzen, ohne dass es nach Geschichtsunterricht klingt.

**Soundchecker.koeln:** Mittelalterliche Instrumente treffen bei euch auf moderne Produktionen. Gibt es ein Instrument, bei dem euer Produzent regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammenschlägt?

**Ben:** Unser Produzent Felix macht das regelmäßig beim Dudelsack. Das ist im Studio einfach pure Lautstärke. Wir haben den Endgegner der Instrumente eigentlich schon gefunden – schlimmer wird’s kaum.

 **Soundchecker.koeln:** Nach vielen erfolgreichen Alben und ausverkauften Konzerten: Gibt es heute überhaupt noch Lampenfieber?

**Ben:** Wenn man gar kein Lampenfieber mehr spürt, sollte man den Job wechseln. Ein bisschen Aufregung gehört einfach dazu.

**Soundchecker.koeln:** Festivals sind oft laut, chaotisch und voller Überraschungen. Was war eure kurioseste Backstage-Geschichte?

**Ben:** Das ist immer die Frage, bei der mir entweder gar nichts einfällt oder nur Dinge, die man besser nicht veröffentlicht…

**Soundchecker.koeln:** Eure Fans erscheinen oft selbst in Gewandung und feiern eure Konzerte wie ein großes Fest. Welche Begegnung ist euch besonders in Erinnerung geblieben?

**Ben:** Besonders schön ist es immer, wenn wir zum ersten Mal in einem Land spielen. Die erste Autogrammstunde in Spanien war so ein Moment. Die Leute hören unsere Musik seit Jahren und plötzlich stehen wir wirklich vor ihnen. Diese Dankbarkeit und Energie sind unglaublich.

**Soundchecker.koeln:** Wenn ihr für einen Abend mit einer historischen Persönlichkeit musizieren dürftet – wer müsste das sein?

**Ben:** Wir haben auf der neuen Platte Songs von Ozzy Osbourne bis Bonnie Tyler gecovert. Das sind Künstler, zu denen wir seit Jahren aufschauen. Es wäre spannend, ihnen unsere Versionen vorzuspielen und ihre Reaktion zu erleben.

**Soundchecker.koeln:** Welcher Song aus eurem eigenen Katalog wird eurer Meinung nach unterschätzt?

**Ben:** *Für Immer dein* liegt uns besonders am Herzen. Der Song stammt vom ersten Album und steckt voller Herzschmerz. Damals war im Marketing offenbar kein Platz für so viel Drama. Deshalb haben wir ihn jetzt noch einmal unplugged aufgenommen.

 **Soundchecker.koeln:** Zum Schluss die wichtigste Frage: Wenn dArtagnan den Soundtrack für einen ganz normalen Montag schreiben würde – Schlacht, Taverne oder Kaffee?

**Ben:** Der Montag im Leben eines selbstständigen Musikers ist meistens eine epische Schlacht: Kopf leer vom Wochenende, Kühlschrank leer, Terminkalender voll. Ein echtes Abenteuer.

Ben beantwortet unsere Fragen genauso, wie dArtagnan Musik machen: bodenständig, mit viel Herz und ohne großes Pathos. Und ganz nebenbei erfahren wir, dass selbst gestandene Mittelalter-Rocker montags zuerst den Kühlschrank plündern müssen, bevor sie in die nächste Schlacht ziehen. Das macht sie irgendwie sympathisch und ihr neues Album kann auch gefallen.

Fragen: Dennis Kresse (Soundchecker.Koeln)

 

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