Es gibt Konzerte, bei denen man Songs hört. Und es gibt Abende mit Element of Crime, bei denen man plötzlich das Gefühl hat, ganze Lebensphasen würden vertont. Genau so ein Abend war das gestrige Konzert in der Oper Bonn.
Im Rahmen ihrer aktuellen Konzerthaus-Tour machte die Band um Sven Regener Station in Bonn und bewies einmal mehr, warum Element of Crime seit Jahrzehnten eine völlig eigene Liga zwischen Chanson, Straßenpoesie, Jazz, Folk und Berliner Melancholie besetzen.
Schon beim Opener „Wenn der Morgen graut“ lag diese besondere Stimmung im Raum, die nur Element of Crime erzeugen können: eine Mischung aus lakonischem Humor, stiller Traurigkeit und warmem Trost. Die Oper Bonn erwies sich dabei als nahezu perfekter Ort für diese Musik. Keine überdrehte Rockshow, keine Effekthascherei – stattdessen konzentriertes Zuhören, leises Mitsummen und diese eigenartige Intimität, die entsteht, wenn mehrere hundert Menschen gleichzeitig melancholisch werden.
Die Setlist spannte einen beeindruckenden Bogen durch das Werk der Band. Songs wie „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“, „Morgens um vier“ oder „Unscharf mit Katze“ entfalteten live genau jene bittersüße Größe, die ihre Studiofassungen schon so besonders macht. Gleichzeitig zeigte sich erneut, wie zeitlos viele dieser Stücke geworden sind. Während andere deutschsprachige Bands ihrer Generation oft nostalgisch wirken, klingen Element of Crime noch immer erstaunlich gegenwärtig.
Vor allem Sven Regener bleibt dabei ein Phänomen. Seine halb gesprochenen, halb gesungenen Geschichten wirken live weniger wie klassische Songtexte, sondern eher wie kleine Kurzfilme über verpasste Chancen, kaputte Nächte, verlorene Liebe und die Schönheit des Scheiterns. Dazwischen immer wieder diese trockenen Ansagen, die das Publikum gleichzeitig zum Lachen und zum Nachdenken brachten.

Musikalisch bewegte sich die Band nahezu schwerelos durch die knapp zweistündige Show. Trompete, Gitarren, Akkordeon und Saxofon und diese unverwechselbare nächtliche Grundstimmung verbanden sich zu einem Sound, der gleichzeitig elegant und angenehm kaputt klingt. Gerade in einem klassischen Konzertsaal-Umfeld funktionierte diese Mischung überraschend perfekt.
Besonders stark: Element of Crime widerstehen weiterhin jeder Versuchung, ihre Songs künstlich zu „modernisieren“. Stattdessen vertrauen sie komplett auf Atmosphäre, Geschichten und musikalische Klasse. Genau deshalb altern diese Stücke so würdevoll.
Am Ende verließ ein sichtbar bewegtes Publikum die Oper Bonn – vermutlich mit genau jener Mischung aus Melancholie und Trost, die nur diese Band erzeugen kann. Oder anders gesagt: Für ein paar Stunden war Bonn gestern Abend die schönste traurige Stadt der Welt.

Setlist: Elemenrt of Crime, Oper Bonn, 25.05.2026
01. Wenn der Morgen graut
02. Unscharf mit Katze
03. Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang
04. Wahr und gut und schön
05. Die letzte U-Bahn geht später
06. Dann kommst du wieder
07. Gelohnt hat es sich nicht
08. In mondlosen Nächten
09. You Shouldn’t Be Lonely
10. Immer unter Strom
11. Morgens um vier
12. Im Himmel ist kein Platz mehr für uns zwei
13. Seit der Himmel
14. Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen
15. Straßenbahn des Todes
16. Delmenhorst
17. Immer da wo du bist bin ich nie
18. Am Ende denk ich immer nur an dich
19. Mehr als sie erlaubt
20. Du hast die Wahl
21. Ein Hotdog unten am Hafen
22. Weißes Papier
23. Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin
24. Long Long Summer
Text: Dennis Kresse
Credits: Oliver Laugks