„With Or Without You“ – Birgit Fuß erzählt die Geschichte einer Band zwischen Größenwahn, Glauben und Genie!

Es gibt Bücher über Bands – und es gibt Bücher, die versuchen zu erklären, warum bestimmte Bands über Jahrzehnte hinweg mehr wurden als bloße Musiklieferanten. Birgit Fuß gelingt mit ihrem Buch über U2 genau dieses Kunststück. Zum 50-jährigen Bestehen der wohl größten irischen Rockband der Musikgeschichte liefert sie keine trockene Chronik, sondern ein lebendiges, kenntnisreiches und angenehm unaufgeregtes Porträt einer Gruppe, die sich seit Jahrzehnten irgendwo zwischen Pathos, Weltrettung und Stadionrock bewegt.

Das Faszinierende dabei: Fuß schreibt weder fanatisch verklärt noch genervt distanziert. Gerade das macht das Buch so stark. Denn kaum eine Band polarisiert ähnlich konsequent wie U2. Für die einen sind Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen Jr. die letzten großen Idealisten des Rock, für andere ein überdimensioniertes Monument der Selbstüberschätzung. Birgit Fuß kennt beide Perspektiven – und lässt sie bewusst nebeneinander existieren.

Dabei profitiert das Buch enorm davon, dass die Autorin die Band über Jahre hinweg selbst begleitet und mehrfach interviewt hat. Diese Nähe sorgt nicht für anbiedernde Heldenverehrung, sondern für glaubwürdige Einblicke in die Dynamik einer Band, die es tatsächlich geschafft hat, fünf Jahrzehnte lang in derselben Besetzung zusammenzubleiben – was im Rockgeschäft ungefähr so wahrscheinlich ist wie ein harmonischer Oasis-Proberaum.

Besonders gelungen ist die Art, wie Fuß die unterschiedlichen Schaffensphasen von U2 einordnet: vom spirituell aufgeladenen Postpunk der frühen Jahre über die gigantischen Popmomente von „The Joshua Tree“ und „Achtung Baby“ bis hin zu den zunehmend schwierigen Spätwerken. Dabei spart sie auch die problematischen Momente nicht aus – etwa die Selbstüberhöhung Bonos oder die berühmte iTunes-Zwangsbeglückung, die vermutlich bis heute weltweit Millionen reflexartiger Wutanfälle auslöst.

Doch genau darin liegt die Stärke des Buches: Es erklärt, warum U2 trotz aller Kritik relevant geblieben sind. Weil diese Band nie gelernt hat, klein zu denken. Selbst ihre Fehltritte geschehen stets im XXL-Format.

Optisch wird das Ganze durch farbige Abbildungen und Infografiken angenehm aufgelockert. Das Buch wirkt dadurch nie wie akademische Pflichtlektüre, sondern eher wie eine intensive Reise durch fünf Jahrzehnte Popgeschichte, Politik, Größenwahn und musikalischer Selbstsuche.

Am Ende bleibt vor allem die Erkenntnis, dass U2 eben nie nur Hits wie Sunday Bloody Sunday oder One waren. Sondern immer auch ein emotionales, politisches und kulturelles Projekt. Birgit Fuß schafft es, genau diesen Kern sichtbar zu machen – ohne dabei den kritischen Blick zu verlieren.

Ein Buch für Fans sowieso. Aber vor allem auch für alle, die verstehen wollen, warum vier Typen aus Dublin seit 50 Jahren gleichzeitig nerven, faszinieren und Geschichte schreiben.

Text: Dennis Kresse

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