Unter dem Titel Stabile Poesie veröffentlichte Aki Bosse jüngst sein neues Album, welches er heute Abend im ausverkauften (!) Palladium den Kölner Fans vorstellen möchte. Jedoch ist noch etwas Geduld angesagt, da zunächst ein Support den Abend eröffnet. Bosse selbst geht auf die Bühne und kündigt Marlo Grosshardt mit zwei Streichern als Begleitung an. Grosshardt, der sich mit Songs und Reels über das Internet einen Namen machte, Ich konnte ihn mir schon einmal mit kompletter Band ansehen.
Dann ist es eine Mischung aus klassischer Singer-/Songwritermusik und lebensbejahende nach vorn gehende Folkmusik. Als Trio mit zwei Streichern arrangiert klingen seine Stücke deutlich melancholischer. Doch bei Marlo Grosshardt kommt es auch sehr stark auf die Texte an, die sich stark mit der AfD und dem Rechtsruck in Deutschland befassen. Marlo Grosshardt macht seine Haltung unmissverständlich klar: Er sieht sich als Demokratieverfechter und ist für ein Verbot der AfD.
Mich erinnert der Gesang etwas an den von Henning May, der Sänger und Frontmann von Annenmaykantereit, die Stimmfarbe Marlos ist ähnlich. Er weist auf seine Tour im Spätsommer hin und dann ist eine komplette Band mit an Bord. In Köln wird er aller Voraussicht nach seine Tour am 19.09.26 im Carlswerk abschließen.
Setlist Marlo Grosshardt:
Ein letztes Liebeslied
Realität
Astronaut
Kriege ohne mich
Geschichte schreiben
Oma
Partisanen
Doch dann ist endlich Bosse am Zug. Die Setlist ist geschickt durchgemischt, so dass keine Längen aufkommen. Jedoch lässt der Sound zu wünschen übrig. Stolze acht Musikerinnen und Musiker sind quasi dauerhaft auf der Bühne, häufig ist auch ein Cello mit am Start, was sich aber im Sound nicht gut raushören lässt. Auch Bosses neue Background-Sängerin geht manchmal unter. Den Fans stört das nicht. Bosse ist der, der die Show trägt, immer noch die Bühne auf und ab läuft, als sei er Werbefigur für Duracell.
Zu dem Song „Ein Traum“ geht Bosse auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Auf einer Leiter im Publikum stehend, singt er Verse des Songs, hinzu gesellen sich schon Techno-ähnliche Beats, die in die Beine gehen. Insgesamt wandelt sich die Musik Bosses immer stärker vom Indierock zum Pop mit elektrischen Einschlägen oder zu Popballaden wie „Schwesterherz“, die den Leuten zu gefallen wissen. Die Authentizität,die Bosse ausstrahlt, die persönlichen und privaten Anekdoten, welche Bosse zwischen den Stücken erzählt, all das macht ihn lebenswert und verleiht dem Konzert ein
familiäres Gefühl. Hier kann jede Person etwas für sich finden und mitnehmen. Ihm gelingt ein intimer Rahmen, obwohl sich im Saal 4000 Leute befinden. Auch bemerkenswert ist seine Ausdauer und Fitness. Obwohl Bosse ständig in Bewegung ist,spielt er mit seiner Band runde zwei Stunden,Mit diesen ganzen schönen Eindrücken kann man sich in Bosse immer wieder neu
verlieben, auch dann, wenn die Alben vielleicht nicht mehr so gefallen.
Und wer es doch intimer möchte, der muss sich beeilen. Bereits am 18.06.26 kehrt Bosse mit seiner Band in die Domstadt zurück und dann in das deutlich kleinere Bürgerhaus Stollwerck.
Setlist Bosse:
Lass dich nicht zwicken
Ouvertüre
Frankfurt Oder
Flackern
Alles ist jetzt
Vergangenheit
Dein Hurra
Sunnyside
Alter Strand (Neue Version)
Nokia
Ein Traum (Bosse auf einer Leiter im Publikum)
Einmal alles bitte
Peu a peu
Schwesterherz
So oder so
All-Time-Favourite
Schönste Zeit
Liebe hat nicht ewig Zeit
Du federst
Der letzte Tanz
Text: Jan Rombout
Erzählt von uns: