Peace, Love & Pedal Steel: Ringo Starr findet den Country in sich (wieder)

Wenn ein Ex-Beatle plötzlich tief im Americana wildert, ist das entweder ein Spätwerk mit Hang zur Nostalgie – oder ein erstaunlich stimmiges Kapitel. Bei Ringo Starr trifft aktuell eher Letzteres zu. Nach dem überraschenden Erfolg von „Look Up“ (2025) geht er mit „Long Long Road“ den eingeschlagenen Weg konsequent weiter – und wirkt dabei erstaunlich geerdet.

Die erste Single „It’s Been Too Long“ gibt bereits die Richtung vor: warm, organisch, irgendwo zwischen Lagerfeuer-Romantik und Nashville-Feinschliff. Unterstützt wird Starr dabei von Molly Tuttle und Sarah Jarosz, deren Stimmen dem Song eine Leichtigkeit verleihen, die man so von Ringo allein kaum erwarten würde.

Im Zentrum steht erneut die Zusammenarbeit mit T Bone Burnett – eine Art musikalischer Seelenverwandter auf Zeit. Burnett verpasst dem Projekt nicht nur einen klaren Sound dem Projekt nicht nur einen klaren Sound zwischen Country, Folk und Americana, sondern schafft es auch, Starrs oft unterschätztes Gespür für Timing und Atmosphäre in den Vordergrund zu rücken. Hier wird nichts überproduziert, nichts glattgebügelt – stattdessen knarzt und atmet es an den richtigen Stellen.

Dass sich Größen wie Billy Strings, Sheryl Crow oder St. Vincent beteiligen, wirkt dabei weniger wie Namedropping als vielmehr wie ein organisch gewachsenes Netzwerk aus Musiker*innen, die diesen Sound wirklich fühlen.

Inhaltlich bleibt „Long Long Road“ erwartbar reflektiert: Rückblick, Lebensweg, ein bisschen Weisheit – aber ohne Altersmilde-Kitsch. Wenn Starr davon spricht, „einen langen, langen Weg hinter sich zu haben“, klingt das nicht nach Abschied, sondern nach einem Künstler, der sich noch einmal neu sortiert.

Das Spannende: Gerade im Country-Gewand Das Spannende: Gerade im Country-Gewand wirkt Ringo Starr so entspannt wie lange nicht mehr. Vielleicht, weil dieses Genre ihm Raum lässt. Vielleicht, weil er nichts mehr beweisen muss.

Oder einfach, weil es manchmal genau die richtige Entscheidung ist, an der nächsten Kreuzung nach rechts abzubiegen.

Text: Dennis Kresse

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