Jazzfest Bonn im Pantheon zeigt zwei Gesichter des Jazz!

Ein Abend, zwei Ansätze – und doch ein gemeinsamer Nenner: Im Pantheon-Theater Bonn wurde im Rahmen des Jazzfests deutlich, wie lebendig und vielschichtig Jazz heute klingen kann.

Den Auftakt machte das Trio um Iiro Rantala, das mit seinem Projekt TRINITY bewusst den Blick zurück richtet – allerdings ohne Staub anzusetzen. Gemeinsam mit Nils Kugelmann am Bass und Morten Lund am Schlagzeug widmete sich Rantala Klassikern des Great American Songbook.

Was nach Tradition klingt, wurde hier zu etwas erstaunlich Frischem. Keine großen Arrangements, keine Effekthascherei – stattdessen ein konzentriertes Zusammenspiel, das vom ersten Ton an trägt. Rantala verbindet technische Brillanz mit einem fast spielerischen Humor, während Kugelmann und Lund ein rhythmisches Fundament liefern, das gleichzeitig stabil und offen bleibt. Die Stücke atmen, entwickeln sich, erzählen ihre eigenen Geschichten. Es ist genau diese Leichtigkeit, die den Abend so besonders macht: Jazz, der nicht erklären will, sondern einfach passiert.

Ganz anders – und doch genauso zwingend – präsentierte sich anschließend das Quintett von Billy Cobham. Der legendäre Schlagzeuger, der einst mit Miles Davis und im Umfeld des Mahavishnu Orchestra Musikgeschichte schrieb, brachte mit seinem aktuellen Line-up eine ganz andere Energie auf die Bühne.

Hier ging es nicht um Reduktion, sondern um Druck. Cobhams Spiel ist nach wie vor präzise, kraftvoll und voller Drive – ein Motor, der die Band unermüdlich antreibt. Unterstützt von Musikern wie Gary Husband an den Keyboards und Rocco Zifarelli an der Gitarre entstand ein Sound, der Jazz, Rock und Fusion mühelos miteinander verwebt.

Dabei wirkte nichts nostalgisch. Im Gegenteil: Das Quintett spielte nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart – laut, dynamisch und mit spürbarer Lust am Risiko. Gerade im Zusammenspiel zwischen den Generationen entstand eine Spannung, die den Abend durchgehend trug.

Fazit:

Zwei Konzerte, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und genau deshalb so gut zusammenpassen. Während Iiro Rantala mit TRINITY die Essenz des Jazz freilegt, zeigt Billy Cobham, wie viel Energie noch immer in diesem Genre steckt. Das Jazzfest Bonn beweist im Pantheon einmal mehr: Jazz lebt – in alle Richtungen.

Setlist Billy Cobham Quintett

1. Times of my life
2. A little travelling music
3. Total eclipse
4. Red Moon
5. Drum Solo
6. Stratus
7. Pan Handler
8. Tinsel Town
9. Red Baron

Text: Dennis Kresse
Credits: Jazzfest Bonn//Thomas Kölsch

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