Mit neuem Album im Anflug melden sich Kobrakasino zurück – irgendwo zwischen NDW-Vibes, Indie-Pop und kontrolliertem Kontrollverlust. Im Gespräch wird schnell klar: Hier geht es nicht um klare Linien, sondern um Reibung, Widerspruch und das ständige Austarieren zwischen Leichtigkeit und Tiefgang.
Ihr bewegt euch irgendwo zwischen NDW, Indie-Pop und innerem Chaos – ist das Konzept oder passiert das einfach?
Das ist so durch den stetigen musikalischen Austausch entstanden und ist wohl auch der Sozialisierung in der Ententeichkurve im Stadtpark Graz geschuldet.
„No jealousy, I try“ – klingt nach Selbstüberlistung. Ist Eifersucht für euch eher Schwäche oder ehrliche Emotion?
Auf jeden Fall eine ehrliche Emotion. Wobei sich „ehrliche Emotion“ schon widerspricht, wenn man davon ausgeht, dass Gefühle organisch entstehen. Wenn man Eifersucht in einer nicht monogamen Beziehung verspürt, dann gestaltet sich das Leben sicher schwieriger, als es sein müsste, aber Gefühle sind nie eine Schwäche.
Eure Songs wirken oft leicht, obwohl sie ziemlich schwere Themen verhandeln. Ist das Strategie oder Selbstschutz?
Wir glauben, das bietet eine schöne Möglichkeit, tiefer in Songs einzutauchen, ohne immer mit der kompletten Wahrheit konfrontiert zu sein. Manchmal will man sich einfach berieseln lassen, manchmal aber auch in die Tiefe gehen und Instrumentales mit Wort erkunden. Gleichzeitig sind die Lieder auch kein süßer Keks für zwischendurch. Sie geben schon Ansporn, tiefer zu gehen, zwingen einen aber nicht dazu.
Mit „Alarm für Kobrakasino“ kündigt ihr euer zweites Album an – was ist diesmal anders als beim Debüt außer mehr Erfahrung?
Wir haben den Prozess verkürzt, waren über zwei Wochen in der Nähe von Triest und haben die Songkulisse gebaut und dann peu à peu den Rest in Wien aufgenommen. Die unglaubliche Spannweite vom Debütalbum hat sich auch ein wenig in der Zerfleddertheit des Sounds geäußert. Hier war es uns wichtig, konsequenter zu sein und mehr auf Mood und Klarheit als auf Verspieltheit und Abstraktion zu setzen.
Eure Texte sind sehr konkret, fast filmisch. Schreibt ihr eher aus Situationen heraus oder entstehen erst Bilder, dann Songs?
Sehr verschieden. Sie passieren vor allem im Geheimen und werden dann eher in der Gruppe diskutiert. Oft aus dem Alltag heraus, manchmal aus Büchern. Es sind Bilder oder Vorgänge, die einen catchen und einen Satz ergeben, der durch das Instrument weiter zu einem Song gebaut wird. (Anm.: „Viel zu laut“ und „Dezember“ sind von Cosbo geschrieben, der Rest von Chris).
Zwischen Graz und Wien – wie sehr prägt euch die österreichische Szene, und wie viel davon wollt ihr überhaupt sein?
Die Grazer Szene hat uns wahrscheinlich weniger als die Wiener Musikszene geprägt. Dabei muss man aber sagen, dass uns in Graz eine andere Szene geprägt hat, nämlich die freie Szene, egal in welchem Genre. Die Offenheit gegenüber Musik sowie die Art, wie man Feste feiert sind dort einzigartig. In Wien ist es natürlich viel breiter gestreut und man hat näheren Kontakt zu aktuellen, sehr relevanten Künstler:innen, wobei vieles wahrscheinlich auch eher dem Underground angehört, obwohl es an die Oberfläche müsste.
Eure Musik schwankt zwischen Wegsehen und Hinschauen – was fällt euch persönlich schwerer?
Das Hinschauen ist schon schwerer. Man setzt sich mit einer Thematik näher auseinander und dadurch werden Emotionen bewegt, die einen belasten. Die Frage ist immer: Wie viel will man hinschauen, wie sehr muss man sich damit belasten? Aber es ist auch keine Option, nichts zu tun. Das bleibt wohl das ständige Dilemma von wohlstandsverwahrlosten Leuten, und die politische Positionierung im „privaten“ digitalen Raum löst wohl eher alte Charity-Events ab – nur ohne Spendengeld.
Nach Support-Touren und wachsender Aufmerksamkeit: Fühlt sich das noch nach DIY an oder schon nach „Band sein“?
Nachdem wir mit dem zweiten Album zum ersten Mal ein richtiges Label (SIRENE RECORDS) selbst gegründet haben und die Aufnahmen, das Mixing (Benno), die Vermarktung sowie die Herstellung von Tonträgern und Merch in unserer Hand liegen, fühlt es sich schon sehr nach „DIY“ an – aber im guten Sinne. Auch wenn mehr eigenes Geld drinsteckt, ist es am Ende des Tages schön zu wissen, dass alles, was reinkommt, bei uns bleibt. Und wir werden die Hoffnung nicht aufgeben, dass wirkliche independent Gruppen auch ohne große Unterstützung von außen relevant bleiben und vorne mitspielen können.
Hand aufs Herz: Ist „Alarm für Kobrakasino“ eher ein Warnsignal – oder ein Versprechen?
Wir versprechen, dass es ein Warnsignal sein wird.
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