Im Pantheon Bonn wird an diesem Abend vor allem eines gefeiert: die hohe Kunst der Reduktion. Ohne Rolf brauchen keine großen Gesten, keine Requisitenflut – ein Stapel bedruckter Plakate reicht, um ein ganzes Universum zwischen Timing, Absurdität und feinsinnigem Humor aufzuspannen.
Was auf den ersten Blick nach streng durchgetakteter Wortakrobatik aussieht, entpuppt sich live als erstaunlich lebendig. Jede umgeblätterte Seite sitzt, jede Pause ist kalkuliert – und wirkt doch, als könne sie jederzeit kippen. Genau darin liegt der Reiz dieses mittlerweile sechsten Programms: Die vermeintliche Starrheit wird zur Spielfläche für spontane Pointen, kleine Eskalationen und große Lacher.
Inhaltlich kreisen die beiden um eine fast schon philosophische Frage: Darf man sich selbst feiern – und wenn ja, wie, ohne dabei komplett lächerlich zu wirken? Dass sie sich dabei herrlich verzetteln, ist weniger Schwäche als Konzept. Die Suche nach der richtigen Form des Jubiläums gerät zur Meta-Nummer über das eigene Schaffen, über Zweifel und über den schmalen Grat zwischen Selbstironie und Selbstbeweihräucherung.
Das Publikum im Pantheon geht diesen Weg bereitwillig mit. Zwischen trockenem Wortwitz und stillen Momenten entsteht eine besondere Dynamik: Lachen, das nicht aus dem Bauch heraus explodiert, sondern sich klug aufbaut und dann umso nachhaltiger trifft. Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg spielen dabei virtuos mit Erwartungen – und unterlaufen sie im nächsten Augenblick wieder.
Nach über zwanzig Jahren auf der Bühne wirkt bei Ohne Rolf nichts abgestanden. Im Gegenteil: Ihr Minimalismus hat sich zur Meisterschaft verdichtet. Das Jubiläum mag auf der Bühne verhandelt werden – im Saal ist die Entscheidung längst gefallen. Gefeiert wird hier nicht trotz, sondern wegen der Zweifel. Und das ziemlich angetan. Merci und auf Wiederlurge bis zum nächsten Mal!

Text: Dennis Kresse
Credits: Günter Ewen