„Funk, Schmerz, Genie – 100 Seiten sind zu wenig für Prince (und genau richtig)“

Wie schreibt man über Prince, ohne sich zu verlieren?
Antwort: gar nicht erst versuchen, alles zu erklären.

„Prince. 100 Seiten“ von Rebecca Spilker macht genau das richtig. Statt sich am überlebensgroßen Mythos abzuarbeiten, zoomt das Buch rein – in Momente, Songs, Konzerterinnerungen. Und plötzlich ist er wieder da: dieser Sog.

Denn Prince war nie nur Hits wie Purple Rain oder Kiss. Er war ein Zustand. Ein Künstler, der sich konsequent jeder Einordnung entzogen hat – musikalisch zwischen Funk, Rock, Pop und Wahnsinn, gesellschaftlich irgendwo jenseits fester Kategorien.

Spilker nähert sich diesem Phänomen nicht mit Ehrfurchtsstarre, sondern mit klarem Blick und persönlichem Zugang. Sie verbindet Analyse mit Erinnerung, Popgeschichte mit eigener Erfahrung. Das wirkt nie akademisch trocken, sondern angenehm durchlässig – fast so, als würde man jemandem zuhören, der wirklich verstanden hat, warum diese Musik mehr ist als nur Sound.

Besonders stark: der Blick auf Prince als Grenzgänger. Seine Offenheit gegenüber Gender, Sexualität und künstlerischer Freiheit wird hier nicht nachträglich verklärt, sondern als das gezeigt, was sie war: radikal, irritierend, ihrer Zeit voraus.

Natürlich kratzt ein 100-Seiten-Band zwangsläufig nur an der Oberfläche. Manche Aspekte bleiben Skizze, manche Abgründe unerforscht. Aber vielleicht ist genau das die ehrlichste Form, sich einem Künstler wie Prince zu nähern: nicht alles erklären wollen, sondern die Faszination stehen lassen.

Und die ist immer noch groß. Vielleicht größer denn je.

Ein schmales Buch mit erstaunlicher Tiefe. „Prince. 100 Seiten“ ist keine endgültige Antwort auf das Rätsel Prince – sondern eine sehr gute Einladung, sich wieder darin zu verlieren.

Text: Dennis Kresse

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