The Lamb Lies Down In Bonn-Endenich!

Man kann Tribute-Bands belächeln. Oder man kann erleben, wie nah Musikgeschichte plötzlich wieder atmet. In der Harmonie Bonn zeigen The Watch, warum sie seit Jahren als eine der ernstzunehmendsten Verbeugungen vor den frühen Genesis gelten.

Der Fokus liegt klar auf der Gabriel-Ära. Stücke aus den frühen Siebzigern – komplex, verspielt, dramatisch – werden nicht einfach nachgespielt, sondern mit spürbarer Hingabe zelebriert. Wer die Augen schließt, landet akustisch tatsächlich im Prog-Kosmos von „Foxtrot“ oder „Selling England By The Pound“. Der Unterschied: Hier steht keine Kopie auf der Bühne, sondern eine Band, die das Material ernst nimmt.

Allen voran Sänger Simone Rossetti, dessen Timbre unverkennbar an Peter Gabriel erinnert. Das ist mehr als nur stimmliche Ähnlichkeit – es ist Phrasierung, Dramaturgie, diese Mischung aus Theatralik und Zurückhaltung. Gleichzeitig bleibt genug Eigenständigkeit, um nicht ins Karikaturhafte abzurutschen.

Instrumental überzeugt das Ensemble mit Präzision und Dynamik. Die komplexen Arrangements sitzen, die Wechsel zwischen leisen, atmosphärischen Passagen und eruptiven Ausbrüchen funktionieren. Gerade in den längeren Stücken zeigt sich, wie sehr The Watch die Dramaturgie des Progressive Rock verinnerlicht haben.

Das Publikum in der Harmonie dankt es mit konzentrierter Aufmerksamkeit und ehrlicher Begeisterung. Kein ironisches Retro-Event, sondern ein Abend für Menschen, die diese Musik nicht als Nostalgie, sondern als Kunstform verstehen.

The Watch liefern keine kalte Reproduktion. Sie liefern ein Gefühl. Und das reicht.

Setlist: The Watch – Harmonie, Bonn (27.02.2026)

01. White Mountain
02. The Knife
03. The Musical Box
04. Firth of Fifth
05. I Know What I Like (In Your Wardrobe)
06. In the Cage / The Cinema Show
07. Dance on a Volcano
08. ..In That Quiet Earth / All in a Mouse’s Night (closing section)
09. One for the Vine
10. Los Endos
11. Supper’s Ready

Text: Dennis Kresse

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