Mehr als nur „Another Brick in the Wall“

Über 250 Millionen verkaufte Tonträger, Stadiontourneen, ikonische Cover – über Pink Floyd wurde alles gesagt. Dachte man.

Der Rockhistoriker Mark Blake setzt genau hier an – und wählt einen klugen Umweg. Statt die Bandgeschichte chronologisch nachzuerzählen, lässt er Stimmen sprechen. Musiker, Produzenten, Wegbegleiter, Techniker. Ein Mosaik aus O-Tönen, das die Mythen nicht einfach wiederholt, sondern durch persönliche Perspektiven bricht.

Das Ergebnis ist weniger Heldenepos als Werkstattbericht einer Band, die zwischen Größenwahn und Genialität balancierte. Von den psychedelischen Anfängen im London der Sechziger bis zu den überdimensionierten Bühnenshows späterer Jahre entsteht ein Panorama, das auch die Spannungen innerhalb der Gruppe nicht ausspart. Gerade in diesen Reibungen liegt die eigentliche Spannung des Buches.

Blake gelingt es, die gewaltige kulturelle Bedeutung von Pink Floyd greifbar zu machen, ohne in Fan-Ehrfurcht zu verfallen. Man spürt die kreative Rastlosigkeit, die Experimentierfreude – aber auch die Egos, die das Projekt immer wieder an den Rand brachten.

Dieses Buch funktioniert deshalb so gut, weil es Nähe herstellt. Keine glattpolierte Legende, sondern ein vielstimmiges Dokument einer Band, die den Rock vom Club in die Stadien führte.

Kein Nostalgietrip. Sondern ein Blick hinter die Kulissen eines Phänomens, das bis heute nachhallt.

Text: Dennis Kresse

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