„Es wird alles immer schlimmer.“ Ein Satz, der derzeit Konjunktur hat. Am 20.02. stand Robert Stadlober im Bonner Pantheon auf der Bühne – und stellte genau dieses Gefühl zur Disposition. Sind die Zeiten tatsächlich dramatischer geworden? Oder drehen wir uns lediglich in immer schnelleren Schleifen durch die bekannten Krisen?
Stadlober nähert sich diesen Fragen nicht mit Parolen, sondern mit Literatur und Musik. Im Zentrum des Abends stehen Texte von Kurt Tucholsky – über hundert Jahre alt und doch von frappierender Aktualität. Zwischen Chanson, Lesung und konzentriertem Vortrag legt Stadlober Melodien unter Tucholskys Gedanken zum politischen und gesellschaftlichen Dauerzustand. Das Ergebnis ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Dialog zwischen Epochen.

Es geht um die Unmöglichkeiten menschlichen Umgangs – in Liebesdingen wie im Hass. Um Gewalt als vermeintliches Mittel der Politik. Um die Sehnsucht nach einem „richtigen Leben“ in falschen Verhältnissen. Und immer wieder um die ernüchternde Erkenntnis, dass sich Muster wiederholen. Wenn Tucholsky schreibt: „Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut“, klingt das im Jahr 2026 nicht wie ein Zitat aus dem Geschichtsbuch, sondern wie eine Diagnose.
Stadlober singt diese Sätze nicht anklagend, sondern nachdenklich. Seine Interpretation vermeidet Pathos, setzt stattdessen auf Klarheit. Die musikalischen Arrangements bleiben reduziert, fast fragil – als wolle man den Texten Raum geben, sich selbst zu entfalten. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Abend seine Wirkung. Sparsam arrangiert nur mit der Stimme Stadlobers, seiner Gitarre und einem von Daniel Moheit hingebungsvoll gespielten Akkordeon, entfalten die Texte eine besondere Wirkung.

Am Ende steht keine einfache Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Vielleicht sind unsere Zeiten nicht schlimmer als frühere. Aber besser sind sie auch nicht. Stadlobers Abend im Pantheon erinnert daran, dass ein erweiteter Blick helfen kann – und dass Literatur und Musik manchmal mehr Orientierung bieten als jede Schlagzeile.
Text: Dennis Kresse
Credits: Harald Kirsch (Pantheon Bonn)