Wer bei einem Buch über Marilyn Monroe nur Glamour und Klischees erwartet, liegt hier daneben. In Marilyn Monroe widmet sich Autorin Jenni Zylka der Filmikone mit einem klaren, feministischen und zugleich filmjournalistischen Blick. Das Ergebnis ist ein kompakter, aber überraschend dichter Band, der weniger Star-Mythos als vielmehr künstlerische Substanz freilegt – und sich stark über Monroes Filme erzählt.
Mehr als „Blondinen bevorzugt“
Zylka startet mit einer präzisen Neubewertung der frühen Rollen, allen voran Blondinen bevorzugt. Statt die vermeintlich naive Blondine zu reproduzieren, zeigt sie, wie Monroe ihr Image bewusst spielte – mit Ironie, Timing und erstaunlicher Selbstkontrolle. Hier wird deutlich: Die Ikone war nicht nur Projektionsfläche, sondern Mitgestalterin ihrer Persona.
Lachen mit Rissen im Fundament
Natürlich bekommt auch Manche mögen’s heiß den Raum, den dieser Klassiker verdient. Zylka liest die Komödie nicht nur als perfektes Entertainment, sondern als Beispiel für die Widersprüche der Branche: Ein Film, der vor Leichtigkeit sprüht – während seine Hauptdarstellerin im realen Leben zwischen Erwartungsdruck und persönlicher Unsicherheit balancierte.
Ikonen neu gelesen
Das berühmte Kleid aus Das verflixte 7. Jahr wird hier nicht nur als Popkultur-Ikone gefeiert, sondern als Symbol für die Spaltung zwischen öffentlicher Verehrung und privater Zerbrechlichkeit interpretiert. Zylka gelingt es, bekannte Motive zu entstauben und neu einzuordnen – ohne sie zu entzaubern.
Abschied mit „The Misfits“
Besonders eindrucksvoll sind die Kapitel zu The Misfits, Monroes letzter großer Filmrolle. Zylka liest das Werk wie ein melancholisches Schlusskapitel: verletzlich, roh und beinahe dokumentarisch in seiner emotionalen Offenheit. Hier zeigt sich die Schauspielerin als ernsthafte Künstlerin – weit entfernt vom Blondinen-Klischee.
soundchecker.koeln-Fazit
Marilyn Monroe ist ein schlankes, aber kluges Porträt, das sich auf das Wesentliche konzentriert: die Filme, die Rollen und die Frau dahinter. Zylka verbindet Analyse mit erzählerischer Nähe und liefert eine Lesart, die Monroe als komplexe Künstlerin sichtbar macht – nicht als Poster, sondern als Persönlichkeit mit Brüchen und Widersprüchen.
Für Filmfans, Popkultur-Beobachter:innen und alle, die hinter die Hollywood-Fassade schauen wollen, ist das Buch eine kompakte, inspirierende Lektüre – irgendwo zwischen Screwball-Komödie und leiser Tragödie, ganz wie Monroes eigenes Werk.
Text: Dennis Kresse
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